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2017/09/21 09:40:00 GMT+2

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Bankiertag 2017: An der Spitze bleiben

Bankiertag 2017: An der Spitze bleiben

500 hochkarätige Gäste, Marschhalt bei der Regulierung, mehr Offenheit und Mut sowie ein explosives Panel; das war der Bankiertag 2017.

Der Morgen graute über der Stadt Zürich, das nächtliche Lichtermeer schwand dem Rhythmus der Pendlerströme und manch ein Zuschauer zog vorsichtshalber den Kopf ein, als ein Flugzeug durch den Saal donnerte, untermalt von einem fulminanten Crescendo. Den Auftakt zum Bankiertag 2017 bildete ein kurzer Film, der die Stärken des Finanzplatzes, den Wandel, das internationale Umfeld von Swiss Banking und die Ambition der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) zum Ausdruck brachte.

Times like these

Die SBVg und ihr Präsident Herbert J. Scheidt setzen sich nicht weniger zum Ziel, als dass der Finanzplatz Schweiz auch zukünftig die Nummer 1 weltweit ist. Der Wandel sei hier und er sei schnell, doch die Schweiz und ihre Banken sollten auch in diesen turbulenten Zeiten ganz vorne stehen, eröffnete Scheidt seine Rede zum Bankiertag. Nach dem Motto des Bankiertages „An der Spitze bleiben“ sei dafür Spitzenleistung der Schweiz als Ganzes, der Wirtschaft und insbesondere der Banken nötig.

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Herbert J. Scheidt, Präsident der SBVg

Die Schweiz und ihr Finanzplatz waren stets erfolgreich, da sie Veränderungen angenommen, aber mit „rechtem Mass und Ziel“ umgesetzt haben, so Herbert J. Scheidt weiter. Dass der Finanzplatz Schweiz heute an der Spitze stünde, sei nicht selbstverständlich. „Was passiert, wenn das rechte Mass verloren geht, mussten wir in der jüngsten Finanzkrise erleben. Wir haben damals die Zeichen der Zeit nicht erkannt – oder nicht erkennen wollen“, erinnerte Scheidt die rund 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Diplomatie. „Doch wir haben gelernt: Mass und Mitte regieren wieder das Bankgeschäft. Die Schweizer Banken haben in den letzten zehn Jahren Enormes geleistet. So gilt die Schweiz heute als globale Musterschülerin im Bereich der Too-big-too-fail-Regulierung. Mit Basel III gelten heute signifikant strengere Regeln als 2007 und im internationalen Vergleich hat die Schweiz überdurchschnittlich hohe risikogewichtete Eigenkapitalquoten“, hob Scheidt hervor.

The future is now

Der SBVg-Präsident betonte in seiner Ansprache, dass die Branche trotz Umstrukturierungen und einem schwierigen Umfeld kraftvoll und adaptionsfähig sei. Zu diesem herausfordernden Umfeld zählte Scheidt auch die enorme Regulierungsdynamik. Vor dem Hintergrund der Verfehlungen im Finanzsektor sei dies einerseits nachvollziehbar, andererseits brauche es zehn Jahre nach der Finanzkrise eine neue Art des Dialogs, so Scheidt. „Es ist an der Zeit auch in der Regulierung mit Augenmass vorzugehen und das rechte Mass zu suchen. Kurzum, indem wir bei der Regulierung einen Marschhalt einlegen, konsolidieren und uns auf die Umsetzung fokussieren“, forderte Scheidt und bekam dafür den Applaus des Publikums.

"Es ist an der Zeit auch in der Regulierung mit Augenmass vorzugehen und das rechte Mass zu suchen."

Aus diesem Grund unterstütze die SBVg die Zielsetzungen des Bundesrates zur Wettbewerbsfähigkeit in der Regulierung und suche mit allen Beteiligten den partnerschaftlichen Dialog, indem sie sich als kompetente Ansprechpartnerin zur Beurteilung von neuen Regulierungsvorhaben anbietet. „Die Bankiervereinigung ist die Stimme der Banken. Sie tritt ein für kluge Rahmenbedingungen, die uns nicht die Luft abschnüren, sondern Raum für Erfolg, Investitionen und Innovationen lassen.“ Damit übergab Herbert J. Scheidt das Wort an „Innovationsminister“ Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann.

Liberale Rahmenbedingungen, Offenheit, Digitalisierung

„An die Spitze zu kommen ist das eine, oben zu bleiben ist das andere: Nur gemeinsam sind wir in der Lage als Finanz- und Werkplatz auch in Zukunft ganz vorne mitzuspielen“, eröffnete Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann seine Rede. Wichtig sei zu wissen, wie die Schweiz in vielen Bereichen an die Spitze gelangte. Zu den Grundlagen zählte Schneider-Ammann die stets hohen Ambitionen und Ansprüche der Schweiz an sich selbst, den bilateralen Weg mit der EU, die „tugendhafte“ Schuldenbremse, um die die ganze Welt die Schweiz beneide, und das duale Bildungssystem, welches global grosse Bewunderung finde.

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Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann

Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann nannte drei Kernthemen, die zur Sicherung der heutigen Spitzenstellung zentral sind: die Gestaltung von liberalen Rahmenbedingungen, die Offenheit gegenüber Innen und Aussen sowie die Digitalisierung. Der Finanzplatz Schweiz repräsentiere eine Branche mit internationaler Bedeutung und globaler Ausrichtung, weshalb die internationalen Märkte zentrale Wichtigkeit haben. Anstatt sich selbst ein enges Korsett aus Gesetzen und Regulierungen zu schnüren, solle der Fokus auf dem Marktzugang, der Investitionstätigkeit sowie der Innovation liegen. Es sei für die Schweiz entscheidend, die Chancen der digitalen Transformation zu packen. „Mein Departement und ich setzen uns dafür an allen Fronten ein“, schloss der Bundesrat seine Ansprache.

Offenheit und Mut, die Zukunft mitzugestalten

An die drei Themen Digitalisierung, Marktzugang und Regulierung knüpfte Staatssekretär Jörg Gasser, Leiter des Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen (SIF) an. Die Digitalisierung sei der mit Abstand wichtigste Faktor für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz. Politik, Verwaltung und Privatsektor müssen rasch und gemeinsam handeln, wenn sich die Schweiz einen Wettbewerbsvorteil aus der Digitalisierung sichern wolle. Eine zweite zentrale Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit sei der Zugang zu ausländischen Märkten, auch im Hinblick auf aufstrebende Volkswirtschaften. Der Schweizer Finanzplatz müsse sich dort frühzeitig positionieren.

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Staatssekretär Jörg Gasser

Als dritten Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit nannte Gasser eine sinnvolle Regulierung sowohl betreffend Regulierungsprozess als auch bezüglich Regulierungsinhalten. Neben dem Level Playing Field gegenüber anderen Finanzplätzen sei ein wichtiges Element der frühzeitige Einbezug der Branche. „Regulierung ist nicht per se schlecht, sondern nötig, um die Stabilität des hochgradig vernetzten Finanzsektors zu wahren“, betonte der Staatssekretär. Aber Regulierung müsse auch zweckmässig sein und solle daher nur so viel wie nötig regeln. „Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ist eine Daueraufgabe auf Seiten von Politik, Verwaltung und der Branche.“ Dafür brauche es Offenheit und den Mut, neue Möglichkeiten und Technologien zu nutzen und die Zukunft mitzugestalten.

Hochkarätige Paneldiskussion

Um die Wettbewerbsfähigkeit drehte sich auch die hochkarätige Paneldiskussion unter der Moderation von Mark Dittli, Chefredaktor Finanz und Wirtschaft, die auch beim abschliessenden Stehdinner für Gesprächsstoff sorgte. Die Diskussionsteilnehmer Patrik Gisel (Vorsitzender der Geschäftsleitung, Raiffeisen), Staatssekretär Jörg Gasser (SIF), Christine Novakovic (Leiterin Corporate & Institutional Clients und Investment Bank Schweiz, UBS), Yves Mirabaud (Associé gérant senior, Mirabaud SCA)  und Axel Schwarzer (Leiter Asset Management, Vontobel) waren sich gerade in Bezug auf den Detaillierungsgrad der Regulierung nicht immer einig. Ein Zusammenschnitt des Gesprächs finden Sie hier.

Der Bankiertag 2017 ging mit individuellen Gesprächen beim Stehdinner zu Ende.

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Paneldiskussion am Bankiertag

 

Anlässlich des Bankiertag wurde Kristine Braden, Citi Country Officer Switzerland der Citibank N.A., als erste Frau in den Verwaltungsrat der SBVg gewählt. Sie ersetzt Marco Bizzozero, ehemaliger CEO der Deutschen Bank. Welche Schwerpunkte sie in ihrer Arbeit im Verwaltungsrat der SBVg setzen möchte, lesen Sie im Interview.

Der nächste Bankiertag findet am 13. September 2018 in Genf statt.

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