SwissBanking
Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2017/09/21 09:40:00 GMT+2

Sektionen

Message
Am Puls der Banken

Am Puls der Banken

Trotz Regulierungskosten, Negativzinsen, Margendruck, politischen und rechtlichen Unsicherheiten sowie der strukturellen Neuordnung entwickeln sich die Banken in der Schweiz solide. Zu diesem Ergebnis kommt das Bankenbarometer 2017.

Das Bankenbarometer der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) analysiert jährlich die Konjunkturentwicklung der Bankenbranche in der Schweiz und interpretiert die Ursachen der Veränderungen. Ein dazu kürzlich publizierter Blog der SBVg zeigte, dass die Banken in der Schweiz bestmögliche Rahmenbedingungen benötigen, um sich im aktuellen Umfeld und im internationalen Vergleich wieder zu verbessern und auch zukünftig konkurrenzfähig zu sein. Ein vertiefter Blick in die Welt der Zahlen gibt dieser Forderung Recht, auch wenn die Entwicklung der Banken durchaus solide ist.

Der Schweizer Bankensektor

Der Schweizer Bankensektor umfasst eine Vielfalt an Bankinstituten mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen und einer breiten Palette an Dienstleistungen. Per Ende 2016 waren in der Schweiz 261 Banken tätig, fünf weniger als im Vorjahr. Damit setzt sich der Trend der Bankenkonsolidierung fort, wenn auch weniger stark als in vergangenen Jahren.

1608629_SBVg_Infografik_Anzahl Banken_DE.png
 

Negativzinsen beeinflussen das Zinsgeschäft

Der Geschäftserfolg belief sich 2016 auf CHF 62,5 Mrd. (-3,2%) und war damit erstmals seit 2012 wieder rückläufig. Innerhalb der Bilanzen trug der Erfolg aus dem Zinsgeschäft trotz des Niedrigzinsumfelds mit CHF 24,1 Mrd. den grössten Teil zum Geschäftserfolg bei. Allerdings erschweren die Negativzinsen das Zinsdifferenzgeschäft, so haben die Banken in der Schweiz 2016 der SNB Negativzinsen in Höhe von CHF 1‘523,2 Mio. bezahlt. Ähnlich dürfte es 2017 weitergehen, bereits im ersten Halbjahr belaufen sich die Zahlungen der Negativzinsen an die SNB auf CHF 970 Mio. Zwar hat sich in Europa die Wirtschaftslage etwas verbessert und die politischen Risiken haben nach den Wahlen in Frankreich generell abgenommen, doch bleiben Unsicherheiten, und damit die weiterhin expansive Geldpolitik, bestehen.

1608629_SBVg_Infografik_Erfolg Geschäftsbereiche_DE.png

Sinkendes Kommissions-, Dienstleistungs- und Handelsgeschäft

Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ist 2016 um 6,7 Prozent gesunken. Aufgrund der Negativzinsen wurden zwar die Kommissionen teilweise erhöht, doch nahm der Margendruck weiter zu. Angesichts der Unsicherheiten waren Börsentransaktionen und Handelsaktivitäten rückläufig. Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft sank 2016 um fast 28 Prozent. Für das Jahr 2017 ist eine gegenteilige Entwicklung möglich. Die positive Stimmung an den Börsen, unter anderem getrieben durch die Wahlen in Frankreich, kurbelte den Handelsumsatz im ersten Halbjahr 2017 an (+5,3% gegenüber der Vorjahresperiode).

Kompensiert wurden diese Rückgänge teilweise aus dem stark gestiegenen übrigen ordentlichen Erfolg (+27,9%). Für die Zunahme dürften das verbesserte konjunkturelle Umfeld in der Schweiz sowie eine erfolgreiche Verarbeitung des Frankenschocks aus dem Jahr 2015 verantwortlich sein.

Stabile Gewinnentwicklung

Im Jahr 2016 haben 226 der 261 Banken in der Schweiz einen Jahresgewinn in der Summe von CHF 11,8 Mrd. erzielt. Die Gewinne waren damit zwar CHF 7,8 Mrd. niedriger als im Jahr zuvor, doch ist bei dieser Entwicklung zu berücksichtigen, dass die hohen ausserordentlichen Erträge einer Grossbank aufgrund eines konzerninternen Beteiligungsverkaufs in der Höhe von CHF 10,7 Mrd. einen grossen Einfluss auf das Ergebnis im Vorjahr hatten. Im Vergleich zu den Jahren 2013 (CHF 10,5 Mrd.) und 2014 (CHF 7,4 Mrd.) liegt die Gewinnentwicklung im Jahr 2016 in einem stabilen Bereich.

Tiefzinsumfeld wirkt sich auch auf die Bilanz aus

Die Zusammensetzung der Aktiven hat sich zwischen 2007 und 2016 markant verändert. Insbesondere die flüssigen Mittel und die Giroguthaben der Banken bei der SNB haben sich vervielfacht. Zum einen waren die Interventionen der SNB zur Bekämpfung der Frankenstärke dafür ausschlaggebend, zum anderen waren durch die niedrigen Zinsen die Opportunitätskosten der Liquiditätshaltung gering, weshalb die Banken viel Liquidität auf den Girokonten bei der SNB deponierten.

Kontinuierlich zugenommen haben zwischen 2007 und 2016 auch die in- und ausländischen Hypothekarforderungen (+41,8%, von CHF 682,3 Mrd. auf CHF 967,5 Mrd.). Grund dafür sind ebenfalls die anhaltend niedrigen Zinsen sowie die damit verbundene hohe Nachfrage nach Immobilien. Bemerkenswert ist grundsätzlich der hohe Anteil des Hypothekarvolumens im ersten Rang (über 92%), das unter anderem auf eine vorsichtige Vergabe von Hypotheken hinweist.

Die Hypothekarvolumen steigen auch 2017 (+1,2% per Mai 2017) und eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Die Banken in der Schweiz erfüllen somit trotz widrigen Umständen ihre Funktion als Finanzierungspartner sowie als Kreditgeber vollumfänglich.

Banken reduzieren die risikogewichteten Positionen

Hervorzuheben ist auch der kontinuierliche Rückgang bei den Forderungen gegenüber Banken seit 2007 (2007: CHF 1‘013,6 Mrd., 2016: CHF 270,3 Mrd.) sowie bei den Verpflichtungen gegenüber Banken (-55,8% seit 2007). Diese Entwicklung ist unter anderem auf die in der Regulierung geforderte höhere Eigenkapitalquote zurückzuführen und spiegelt die anhaltenden strategischen Bemühungen der Banken wider, ihre risikogewichteten Positionen zu reduzieren.

Verhalten optimistische Stimmung am Arbeitsmarkt

Das konjunkturelle Umfeld und der Strukturwandel machten sich auch beim Personalbestand bei den Banken in der Schweiz bemerkbar. Per Ende 2016 waren rund 1'660 (-1,6%) weniger Personen beschäftigt als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2017 reduzierte sich der Personalbestand um ein weiteres Prozent, wie eine jährlich von der SBVg durchgeführte Umfrage zeigt. Gemäss der Umfrage erwarten die Banken allerdings einen gleichbleibenden Bestand im zweiten Halbjahr 2017.

Erwartete Beschäftigung zweites Halbjahr_DE.png

Mittelfristig sind die Erwartungen der Banken gemäss dem „Arbeitgeber Banken Monitor“ von Arbeitgeber Banken verhalten positiv. Verschiedene Indizien sprechen derzeit für eine Stabilisierung: Ein Stellenausbau wird vor allem in der Informatik, der Kundenberatung, im Bereich Research und Produktentwicklung. Das Backoffice hingegen dürfte weitere Redimensionierungen erfahren.

Finanzplatz Schweiz bleibt Weltmarktführer

Die Banken in der Schweiz verwalteten per Ende 2016 Vermögen in der Höhe von CHF 6‘650.8 Mrd., CHF 83, 0 Mrd. mehr als im Vorjahr. Der positive Trend konnte sich auch 2017 fortsetzen. Im ersten Halbjahr konnten die Banken die verwalteten Vermögen um 4,2 Prozent steigern. Die Zunahme ist einerseits auf die moderat positive Wirtschaftsentwicklung und andererseits auf einen gewissen Währungseffekt, vor allem wegen dem Eurokurs, zurückzuführen. Die Schweiz bleibt somit die Nummer 1 im global grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft – vor Konkurrenzfinanzplätzen wie Grossbritannien, Hong Kong oder Singapur.

Finanzplatz in Zahlen_3_620px.png

Allerdings steht die Schweiz in einem intensiven Wettbewerb mit Finanzzentren auf der ganzen Welt. Insbesondere asiatische Finanzplätze weisen ein stärkeres Wachstum in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung auf als die Schweiz. Will sich die Schweiz auch zukünftig gegen die rasant wachsenden Finanzplätze aus Asien sowie Konkurrenzfinanzplätze mit höheren Wachstumserwartungen behaupten, sollte das Schweizer Private Banking nebst den attraktiven Standortfaktoren auch Innovationen, wie beispielsweise im Bereich des digitalen Bankings, weiter fördern.

Verwandte Artikel
Politik & Wirtschaft

Finanzplatzpromotion in Asien

von Sindy Schmiegel, Leiterin Public & Media Relations
Politik & Wirtschaft

Schweizer Banken trotzen hartem Wind

von Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik
Neuen Kommentar hinzufügen

Die SBVg behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen (ausser Französisch, Englisch und Italienisch). Kommentare mit Pseudonymen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht.

Sie können einen Kommentar abgeben, indem Sie das unten stehende Formular ausfüllen. Nur Text. Kommentare werden moderiert.