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Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2016/09/21 01:00:00 GMT+2

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Schweizer Banken trotzen hartem Wind

Schweizer Banken trotzen hartem Wind

Steigenden Regulierungskosten, sinkenden Margen, preissensiblen Kunden, der Tiefzinsphase, Stellenabbau und der Konkurrenz durch Fintech zum Trotz: Der diesjährige Bankenbarometer zeigt, dass die Banken sehr solide unterwegs sind. Angesichts des anbrechenden Strukturwandels ist nun aber Dynamik gefordert.

Die Banken sind ungebrochen ein bedeutender Wirtschaftssektor. Mit rund sechs Prozent trägt der Bankensektor einen wichtigen Anteil zur Gesamtwertschöpfung der Schweizer Volkswirtschaft bei. Die Jahresresultate 2015 sind robust, die Stabilität der Institute vorbildlich, verschiedene Klippen im Steuerbereich umschifft und das Kundenvertrauen vorhanden.

Die Voraussetzungen, um auch bei hohem Wellengang Fahrt zu machen, stehen somit gut. Die sich brechenden Wellen kommen in Form hoher Regulierungskosten, eines unsicheren volkswirtschaftlichen Ausblicks und der fortschreitenden Digitalisierung des Bankengeschäfts. Vor diesem Hintergrund wäre eine Business-as-usual-Strategie ein denkbar schlechtes Herangehen, um Kurs zu halten.

Aggregierter Jahresgewinn und Geschäftserfolg können sich sehen lassen

Dem herausfordernden nationalen und internationalen Umfeld zum Trotz steht die Bankenbranche in der Schweiz solide da. Insgesamt steigerten die Banken ihren Geschäftserfolg im Jahr 2015 um fünf Prozent auf CHF 64,6 Mrd. Der Hauptfokus muss nun aber auf der Steigerung der Rentabilität und dem Eindämmen der Kosten liegen, denn die Zahl der verlustschreibenden Institute hat im Vergleich zum Vorjahr um elf zugenommen (2015: 38). Es darf aber betont werden, dass die Höhe der Jahresverluste 2015 insgesamt abgenommen hat.

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Beschleunigter Strukturwandel: Anzahl Banken und Personalbestand sinken

Der Strukturwandel hat sich auch im Jahr 2015 fortgesetzt. So reduzierte sich die Anzahl der aktiven Banken von 275 auf 266. Vom Rückgang waren insbesondere die Ausland- und Börsenbanken betroffen. Dieser Rückgang wirkte sich auch auf die Beschäftigung aus, bei der per Jahresende 2015 ein Verlust von über 1‘000 Vollzeitstellen verzeichnet wurde.

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Eine Umfrage der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) über die Personalentwicklung der Banken ergab, dass sich dieser Trend 2016 beschleunigte. Im ersten Halbjahr wurden im Schweizer Bankensektor bereits 3‘454 Vollzeitstellen weniger verzeichnet. Gleichzeitig erhöhten Schweizer Banken im Ausland ihren Personalbestand mit mehr als 6‘700 Stellen. Es ist somit dringend angeraten, die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch verbesserte Rahmenbedingungen zu stärken. Zum Beispiel durch …

…eine "gute" Regulierung

Eine Hauptsorge der Banken betrifft die mit der Regulierung verbundenen direkten Kostenfolgen. Die SBVg fordert einen Regulierungsprozess, der die allgemein anerkannten Regulierungsgrundsätze zwingend zur Anwendung bringt. Die SBVg hat bereits Vorschläge dazu erarbeitet. Diese umfassen namentlich eine unabhängige Regulierungsprüfstelle und ein Preisschild für Regulierungen.

… die Sicherstellung des EU-Marktzugangs

Als internationales Finanzzentrum ist die Schweiz auf Marktzugang zu ausländischen Kunden angewiesen. Während mit der deutschen Finanzmarktaufsicht BaFin im Juli 2015 Verbesserungen für den Zugang zu deutschen Kunden erreicht worden sind, führt die Schweiz weiterhin bilaterale Gespräche mit anderen wichtigen Partnerländern.

… die Förderung von Digital Banking

Ohne Fintech-Hub kein globales Finanzzentrum: Zur Sicherstellung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit müssen Banken die Möglichkeit haben, ihr Geschäftsmodell mittels Fintech den verschärften Wettbewerbsbedingungen anzupassen. Damit umfangreiche Investitionen in neue Technologien in der Schweiz getätigt werden, bedarf es rasch vorteilhafter Rahmenbedingungen, die Planungssicherheit geben.

Insgesamt erweist sich der Bankenplatz als robust

Trotz des schwierigen Umfelds konnten sich die meisten Banken dem scharfen Wind und den hohen Wellen entgegenstemmen und einen ansprechenden Geschäftserfolg erzielen. Zudem sind die Banken in der Schweiz ausgezeichnet kapitalisiert. Sie sind stabil und halten ihren erfolgreichen Kurs. Um für die Zukunft die Segel richtig setzen zu können, muss der Bankensektor, aber auch der Regulator, wandlungs- und innovationsfähig bleiben – jedoch ohne Abstriche bei den traditionellen Schweizer Tugenden wie Sicherheit, Stabilität und Qualität zu machen.