SwissBanking
Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2016/09/21 01:00:00 GMT+2

Sektionen

Message
Flexible Regulierung für Fintechs und Banken

Flexible Regulierung für Fintechs und Banken

Soll Innovation durch die regulatorische Bevorteilung von Fintechs gefördert werden oder sollen für alle Player dieselben Bedingungen gelten? Wie kann der Bankensektor die Entwicklung einer neuen technischen Welt zulassen, ohne selbst Wettbewerbsnachteile zu erleiden?

Das Bankengeschäft ist stark reguliert. Zahlreiche gesetzlich verankerte und gesellschaftlich erwünschte Sicherungsmechanismen regeln, was Banken tun dürfen und was nicht. Diese strenge Regulierung für Banken stellt sowohl einen Kostentreiber als auch eine Markteintrittshürde für neue Wettbewerber dar.
Fintech-Unternehmen operieren demgegenüber unbeschwerter. Viele gegenwärtige Geschäftsmodelle von Fintechs schöpfen ihren wirtschaftlichen Vorteil weitgehend daraus, dass sie teure Sicherungsmechanismen wie Eigenmittel-, Liquiditäts-, Anlegerschutz- oder Geldwäschereibestimmungen umgehen können.

Sind die Sicherungsmechanismen Fintech-tauglich?

Fintechs als Geschäftsmodelle im Bankenbereich zu fördern, ist aufgrund der umfassenden  regulatorischen Sicherungsmechanismen und den damit verbundenen hohen Kosten kaum möglich. Dafür wären klare Ausnahmen von den genannten Sicherungsmechanismen (einzeln oder gesamthaft) für Fintech-Unternehmen nötig. Solche Ausnahmen würden sich jedoch wettbewerbsverzerrend auf die Banken auswirken, die sich an die bestehenden Regeln halten müssen.

Sicherheit vs. Innovation

Das Banking steht vor einem Dilemma: Förderung durch wettbewerbsverzerrende Ausnahmen oder keine Ausnahmen und damit nur beschränkte Förderung? Es stellt sich also die Frage, wie der Bankensektor die Entwicklung dieser neuen technischen Welt zulassen kann. Sind die Sicherungsmechanismen im Bankbereich möglicherweise gesamthaft zu überdenken und teilweise zu reduzieren? Vielleicht will eine neue Generation von Konsumenten diese teuren Sicherungsmechanismen gar nicht mehr? Vielleicht ist das komplexe regulatorische Konstrukt, das die Schweiz geschaffen hat, zu viel des „Guten“. Vielleicht lässt sich in Zeiten von Facebook und Google, in denen das Private in selbstverständlichster Weise nach aussen gekehrt wird, auch das Datenschutzrecht moderner, offener und entschlackter gestalten?

Das Banking steht vor einem Dilemma: Förderung durch wettbewerbsverzerrende Ausnahmen oder keine Ausnahmen und damit nur beschränkte Förderung?

Die Antwort auf diese Fragen wird sich nur im laufenden Diskurs zwischen Kunden, Marktteilnehmern, Politik und Regulator finden lassen.

Flexible Regulierung trotz internationaler und gesetzlicher Vorgaben

Viele der genannten Sicherungsmechanismen beruhen auf internationalen Vorgaben oder Benchmarks, die die Schweiz kaum verändern kann, ohne Gefahr zu laufen, sich von der internationalen Gemeinschaft zu isolieren. Für die Schweiz als kleine Volkswirtschaft, die  stark exportabhängig ist, würde eine Isolation kaum ohne gravierende wirtschaftliche Folgen bleiben. Bleibt also nichts anderes, als im  Rahmen dieser internationalen Vorgaben die eigenen Gesetze unter die Lupe zu nehmen. Sowohl den Banken als auch den Fintechs grössere Flexibilität in Bezug auf die Definition ihres Geschäftsmodelles zu eröffnen, würde sich zum Beispiel weder aushebelnd noch wettbewerbsverzerrend auswirken.

Revision des Outsourcing-Rundschreibens als Chance zur flexiblerem Banking

Um die grösstmögliche Flexibilität in Bezug auf die Aufspaltung der Wertschöpfungskette zu ermöglichen, könnten das FINMA-Rundschreiben „Outsourcing Banken“ und auf dort verwiesene Regelwerke überarbeitet werden. Das FINMA-Rundschreiben umfasst die Voraussetzungen, unter denen Outsourcing-Lösungen den Erfordernissen einer angemessenen Organisation, des Bankgeheimnisses und des Datenschutzes entsprechen und legt auch fest, welche Tätigkeiten nicht  outgesourct werden dürfen. Die Bestimmungen des Rundschreibens sind strikt anzuwenden und verbieten es, Geschäftsbereiche an Dienstleister auszulagern, sofern diese die Bestimmungen nicht einhalten.

Um die grösstmögliche Flexibilität in Bezug auf die Aufspaltung der Wertschöpfungskette zu ermöglichen, könnten das FINMA-Rundschreiben „Outsourcing Banken“ und auf dort verwiesene Regelwerke überarbeitet werden.

Eine Flexibilisierung ist zum Beispiel denkbar hinsichtlich prozeduraler Vereinfachungen bei Auslagerungen im In- und Ausland.  Weiter ist interpretationsbedürftig,  was als zentrale Aufgabe der Geschäftsleitung anzusehen ist, und wie die Überwachung, die Kontrolle und das Reporting genau zu erfolgen hat. Das kann durchaus neu überdacht und etwas flexibilisiert werden. Gehört das Risikomanagement dazu? Gehören Compliance-Entscheide dazu? Ausserdem liegt hier der Teufel sehr oft in den administrativen Details, wie ein Sicherheitskonzept auszusehen hat, wie es dokumentiert werden muss, wer alles die Geheimhaltungserklärung zu unterzeichnen hat und so weiter.

Eine Flexibilisierung ist zum Beispiel denkbar hinsichtlich prozeduraler Vereinfachungen bei Auslagerungen im In- und Ausland. 

Ähnlich der Autoindustrie soll für Banken eine flexible und einfachere Möglichkeit bestehen, diejenigen Teilbankdienstleistungen und Produkte einzukaufen, die man nicht selber herstellen will. Eine Flexibilisierung des Outsourcing-Rundschreibens der FINMA bietet Chancen für kleinere Banken, die damit ihre Wertschöpfungskette selbständig neu und ohne Einschränkungen zusammensetzen können, sowie für grössere oder spezialisiertere Banken und Provider und auch neue Fintech-Dienstleistungsanbieter, die Teildienstleistungen den kleineren oder weniger spezialisierten Banken zur Verfügung stellen können.

Ähnlich der Autoindustrie soll für Banken eine flexible und einfachere Möglichkeit bestehen, diejenigen Teilbankdienstleistungen und Produkte einzukaufen, die man nicht selber herstellen will.

Eine grössere Flexibilität in Bezug auf die Definition des Geschäftsmodells der Banken und ein vereinfachtes Outsourcen von Teilbereichen der Wertschöpfungskette an Fintechs würde die Kosten minimieren und die Qualität des Endproduktes oder der Dienstleistung zugunsten des Konsumenten steigern. Eine solche flexible Auslegung liesse Innovation am richtigen Ort zu, ohne geltende Sicherheitsbestimmungen auszuhebeln und ohne Wettbewerbsnachteile für die Banken zu schaffen.