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2017/06/21 14:10:00 GMT+2

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"Wir sind unstoppable"

"Wir sind unstoppable"

SBVg-Verwaltungsrätin Kristine Braden fordert gleich lange Spiesse für die Auslandbanken in der Schweiz, will durch eine globalere Denkweise die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes stärken, erklärt, wieso Aussenpolitik wichtig ist und was Frauen anders machen.

Kristine Braden ist seit 2015 Länderchefin Schweiz, Monaco und Liechtenstein bei Citigroup Switzerland und verantwortlich für das Corporate- und Investmentbanking in der Schweiz. Seit Januar 2017 ist Kristine Braden die erste Frau im Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) und vertritt als Nachfolgerin von Marco Bizzozero die Auslandbanken. Braden wird am Bankiertag der SBVg am 14. September 2017 offiziell zur Wahl vorgeschlagen. Insight wollte wissen, welche Ziele Kristine Braden als Verwaltungsrätin des Branchenverbandes verfolgen wird.

Insight: Frau Braden, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Kooptation als Verwaltungsratsmitglied der SBVg. Weshalb haben Sie dieses Mandat angenommen?

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Kristine Braden, Länderchefin Schweiz, Monaco, Liechtenstein, Citigroup Switzerland

Kristine Braden: Dieses Mandat ist für mich eine grosse Ehre. Wir befinden uns in einem Umfeld, das beispielsweise durch neue Technologien, neue Regulierungen und neue Risiken einem stetigen Wandel unterliegt. Um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und uns der neuen Realität anpassen zu können, müssen wir ganzheitlich neue Denkanstösse zulassen. Das betrifft auch den Verwaltungsrat der SBVg und ich hoffe, hier einen entscheidenden Beitrag leisten zu können.

Wie wird diese neue Aufgabe Ihren Alltag beeinflussen?

Ich werde durch meine Arbeit im Verwaltungsrat den Finanzplatz besser verstehen, was für mich, aber auch die meine Rolle bei Citigroup sehr zentral ist. Neu sein wird für mich vor allem der Bereich Retail Banking in der Schweiz, denn die Citigroup ist als global agierende Bank in fast 100 Ländern vertreten, jedoch vor allem in den Bereichen Corporate und Investment Banking aktiv.

In welchem Bereich möchten Sie sich besonders engagieren?

Ich habe etwa 15 Jahre in Asien gearbeitet und gesehen, dass sich Banken ständig weiterentwickeln müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Schweiz hat sich zwar innerhalb von Europa hervorragend entwickelt, doch ist heute der Wettbewerb global. Städte wie Singapur, Hong Kong oder New York, aber auch das Silicon Valley, Technologieunternehmen wie Google oder das Thema Cyber-Kriminalität sind wichtiger geworden für die Schweiz. Wir müssen nicht nur Finanzplätze als Wettbewerber betrachten, sondern eben auch diese neuen Player. Im Gegensatz zu vielen anderen Banken in der Schweiz, die sich auf Private oder Retail Banking fokussieren, operiert Citigroup als global ausgerichtete Corporate und Investment Bank. In diesem Bereich, wo es grosse geopolitische Risiken gibt, hoffe ich im Verwaltungsrat durch eine globalere Sichtweise einen Mehrwert bieten zu können.

Sie sind im Verwaltungsrat der SBVg die Vertreterin der Auslandbanken. Wie beurteilen Sie deren Situation in der Schweiz?

Unter den Auslandbanken in der Schweiz herrschen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und gleichzeitig ein gut funktionierender Wettbewerb. Die Auslandbanken sind wichtig für den Finanzplatz und eine wichtige Säule bei der Unterstützung von in der Schweiz ansässigen Unternehmen. Wir müssen die Position der Auslandbanken stärken und sie darin unterstützen, erfolgreicher zu sein.

Wie kann man die Position der Auslandbanken stärken?

Auslandbanken müssen mit gleich langen Ellen gemessen werden wie die Schweizer Banken. Sie benötigen ein regulatorisches Umfeld, das sie in ihrer Funktion unterstützt und die Besonderheiten berücksichtigt. Unsere Gesetze haben vor allem Schweizer Banken im Auge, die Regeln und Vorschriften Top-down implementieren können. Die Regeln berücksichtigen beispielsweise nicht immer, dass ausländische Banken Teil eines internationalen Konzerns sind und so unterschiedliche Organisationsstrukturen haben. Beispielsweise ist es im Bereich Outsourcing für ein in einem globalen Netzwerk eingebundenes Unternehmen nicht so einfach möglich, ausgelagerte Teile zu repatriieren. Auch sind die Kosten in der Schweiz eine Herausforderung für Auslandbanken. Um diese angesichts des globalen Wettbewerbs senken zu können, wollen wir bei der Citigroup vermehrt neue Technologien in unser Geschäftsmodell einbinden. Im Bereich Fintech hat die Schweiz aber noch Entwicklungspotenzial. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kundenberater-Zertifizierung. Wir unterstützen eine einheitliche Zertifizierung für den Finanzplatz Schweiz, da der hiesige Finanzplatz so Qualitätsstandards vorweisen kann, die mit internationalen Standards identisch sind. Das wirkt sich bestimmt auch positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.

Welchen Einfluss hat die Entwicklung bei den Auslandbanken auf den Finanzplatz als Ganzes?

Ich beobachte, dass gerade Banken aus dem asiatischen oder lateinamerikanischen Raum über hohe Kapitalquoten verfügen, stark wachsen und sich zu globalen Banken entwickeln. Die vermehrte Ansiedlung solcher Institute in der Schweiz bringt neue Perspektiven und ist positiv für die Kunden und den Finanzplatz. Kleine Banken verschwinden, Grosse lassen sich dafür nieder. Der aktuell rückläufige Trend im Personalbestand könnte sich also durchaus umkehren.

Was ist aus Ihrer Sicht nötig, damit die Schweiz auch in Zukunft ein wettbewerbsfähiger Finanzplatz bleibt?

Ein grosser Teil der Wertschöpfung unserer Wirtschaft wird im Ausland generiert, rund 70 Prozent der Wirtschaft sind vom Weltmarkt abhängig. Risikobehaftete Entwicklungen wie Nationalismus, Populismus oder Protektionismus sind Faktoren für Instabilität. Länder wie die Schweiz, die sehr stark auf ein internationales Geschäftsumfeld abstellen, haben viel zu verlieren. Unsere internationale Position und das geopolitische Umfeld sind somit entscheidend. Die Schweizer Unternehmungen und deren Erfolg sind fundamental für den Erfolg des schweizerischen Finanzplatzes. Wir brauchen eine starke Wirtschaft in der Schweiz und deshalb braucht es offene Beziehungen zum Ausland.

Sie engagieren sich nebenberuflich stark für die Frauenförderung in Führungspositionen. Erst kürzlich wurden Sie zur Präsidentin von ADVANCE Women in Swiss Business gewählt. Wie beurteilen Sie die Situation in der Finanzbranche?

Advance hat sich zum Ziel gesetzt bis 2020 einen Frauenanteil von 20 Prozent in Führungspositionen in Schweizer Unternehmen, inklusive der Finanzunternehmen, zu erreichen. In Singapur beispielsweise beträgt der Frauenanteil in diesen Positionen rund 40 Prozent. Verglichen damit liegen wir in der Schweiz 15 Jahre zurück. Ich kenne viele talentierte Frauen in der Finanzbranche. Um diese zu fördern, müssen wir aber unsere Sichtweise ändern. In der Schweiz gibt es viele Regeln und Umstände, die für Frauen nicht unbedingt förderlich sind. Beispielsweise ist die Kinderbetreuung in Asien sehr günstig, hier in der Schweiz ist sie ein Luxus. Das Umdenken betrifft aber nicht nur die Bankenwelt, es muss weiter greifen und gesamtheitlich stattfinden.

Ihr Verwaltungsratskollege und UBS-Präsident Axel A. Weber sagte in einem Interview mit der Handelszeitung, dass ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen vielleicht die Finanzkrise verhindert hätte. Was machen Frauen besser?

Frauen sind weniger risikofreudig und verfügen über eine bessere Einschätzung in Bezug auf ihre Fähigkeiten. Frauen arbeiten vielleicht ein bisschen zurückhaltender, bringen aber neue Perspektiven in eine Diskussion ein. Beispielsweise wurden an die UNO-Konferenz zu Syrien im April zum ersten Mal Frauen eingeladen und angehört. So war es auch das erste Mal, dass anstatt über Waffen über die Frauen und Kinder in diesem Krieg diskutiert worden ist. Frauen können es nicht besser, fördern aber durch ihre unterschiedlichen Ansichten den Dialog, was wichtig ist, um breit abgestützte Entscheide zu fällen. Teams, in denen es verschiedene Meinungen gibt, erzielen in der Regel ein besseres Ergebnis.

Was wünschen Sie sich für den Finanzplatz Schweiz?

Ich sehe einen globaleren, technologischeren und starken Finanzplatz, der konkurrenzfähig ist, egal mit welchen Risiken oder Herausforderungen er konfrontiert wird. Mit unserer Stabilität und der Kompetenz sind wir „unstoppable“.

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