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Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2017/06/21 14:10:00 GMT+2

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Strukturwandel ist „mission possible“

Strukturwandel ist „mission possible“

Woran wird der Strukturwandel im Banking deutlich und wie reagieren die Banken darauf? Ein Seminar der SBVg gab Antworten.

Dass die Bankenwelt aktuell einen tief greifenden Wandel durchmacht, ist unbestritten. An einem Seminar der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) für Medienschaffende beleuchteten verschiedene Experten, in welcher Weise sich der Strukturwandel im Banking heute schon auswirkt. Dass sich die Welt, in der die Banken operieren, nicht zum ersten Mal fundamental ändert, legte der CEO der SBVg, Claude-Alain Margelisch, dar. Mit der Immobilienkrise und der Einführung der Stempelsteuer in den 1990er Jahren erläuterte er zwei Beispiele für einschneidende Entwicklungen, die der Bankenplatz jedoch aus langfristiger Perspektive gut überstanden hat. Die Haupttreiber der heutigen Umwälzung seien die Digitalisierung, die hohe Regulierungsdichte als Faktor für hohe Kosten im Banking, die Internationalisierung des Geschäfts und der gestiegene Wettbewerb. Kurzfristiger, aber nicht weniger einschneidender, wirken sich überdies das aktuell schwierige Währungsumfeld und die Negativzinsen aus.

Blockchain revolutioniert Banking

Wie rasch sich Bankenprozesse ändern könnten, zeigte Mathias Bucher von der Hochschule Luzern: Die Blockchain-Technologie werde die Banken nicht überflüssig machen, aber grosse Teile der Backoffice-Arbeit neu gestalten. Die Blockchain werde zu einem alternativen Garanten für Vertrauen in Vertragsprozesse, der automatisch, transparent, kostengünstig und sicher Transaktionen ermöglicht. Bis 2025 werde sich, so Bucher, die Blockchain-Technologie im Banking etabliert haben.

Crowders und Funders

Quasi als Fallstudie gab die Luzerner Kantonalbank (LUKB) einen Einblick in ihre Digitalstrategie. Stefan Lüthy, Leiter Multikanalmanagement & Digitalisierung, beschrieb mit "Crowders" und "Funders" zwei Ansätze, die sich im Anlagegeschäft der Retailbank durchgesetzt haben. Beide Ansätze ergänzen das traditionelle Geschäft bislang lediglich, ersetzen es aber nicht.

Die Integration neuer Prozesse in bestehende Strukturen und die Risikobeurteilung ist nicht einfach.

Die LUKB hat mit Crowders und Funders zwei "Leuchttürme" geschaffen, mit denen sich Innovation und vorhandene Anlagekompetenz kombinieren lassen und welche die Bank als innovative und moderne Retailbank positionieren. Lüthy nannte aber auch die Hürden, die es zu überwinden gilt, wenn eine Bank mit 160 Jahren Bankentradition im Rücken Digitalisierungsprojekte startet: Die Integration neuer Prozesse in bestehende Strukturen und die Risikobeurteilung sei nicht einfach gewesen. Weiterhin habe der Bewilligungsprozess einige Zeit in Anspruch genommen, genauso wie die gesamte Umsetzung der beiden Projekte. 

Drei strategische Implikationen

Olaf Toepfer, Leiter Banking und Managing Partner bei EY Schweiz, rief in seinem Beitrag die Banken zu mehr Zusammenarbeit auf. Toepfer formulierte drei strategische Initiativen, die für die Schweizer Banken erfolgversprechend sein könnten: die Individualisierung von Produkten und Services für Kunden, die intelligente Begleitung des Kunden bei Finanzfragen und die industrielle Automation in der Prozessabwicklung. Kein Institut, so Toepfer, besitze heute alle notwendigen Kompetenzen, um Antworten auf die entscheidenden Fragen des Strukturwandels zu finden – insbesondere zur operativen Umsetzung, deshalb sei es richtig, die Kräfte zu bündeln.

Netto-Stellenwachstum erwartet

Mit der Bankenwelt wandelt sich auch der Arbeitsmarkt für Bankiers. "Es gibt kein Menschenrecht auf ein Büro in der Zürcher Bahnhofstrasse", sagte der Geschäftsführer des Verbands Arbeitgeber Banken, Balz Stückelberger, pointiert und spielte damit darauf an, dass Banken vermehrt Arbeitsplätze von teuren zu günstigeren Orten, sei es in der Schweiz oder im Ausland, verlagerten. Die Sorge der Banken müsse dem Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit der Mitarbeitenden gelten, so Balz Stückelberger, denn die Aufgaben werden sich weiter rasant verändern. Zwar gebe es eine Tendenz zu netto mehr Stellen im Banking, von dieser würden aber tendenziell eher Höherqualifizierte profitieren.

Strukturwandel ist ein weltweites Phänomen

Die Schweiz und ihr Finanzplatz sind nicht die einzigen, die sich laufend neu ausrichten müssen. Die Treiber des Strukturwandels haben grenzüberschreitende Ursachen und Wirkungen. Entsprechend stehen auch die Wettbewerber des Schweizer Finanzplatzes vor ähnlichen Herausforderungen. Hedwige Nuyens, Managing Director der International Banking Federation, nannte den steigenden Einfluss von Nicht-Banken auf Banktätigkeiten, die Digitalisierung und das Aufsteigen von Indien und China im Konzert der Einflussreichen als international wichtige Einflussfaktoren. Banken müssten, so Nuyens, sich sehr rasch an die sich ändernden Gegebenheiten anpassen.

Der Strukturwandel ist eine "mission possible".

Dass die Banken auch die aktuellen Umbrüche gut werden meistern können, davon zeigte sich SBVg-CEO Claude-Alain Margelisch überzeugt: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, könne der Finanzplatz einen Spitzenplatz im internationalen Wettbewerb"mission possible".

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