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2017/06/21 14:10:00 GMT+2

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Pferd oder Traktor?

Pferd oder Traktor?

Das Swiss International Finance Forum ist eine der wichtigsten Finanzplatz-Konferenzen im Bankenjahr. Wie nationale und internationale Exponenten den Finanzplatz 2025 sehen, stand im Mittelpunkt der diesjährigen Konferenz.

Mit dem Swiss International Finance Forum etablierte die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vor vier Jahren zusammen mit ihren Partnern eine international führende Konferenz für den Finanz- und Kapitalmarkt. Die diesjährige Ausgabe fand am 20. Juni 2017 in Bern statt. Die Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) war zum ersten Mal als Patronatssponsorin dabei. Die Stichworte Exzellenz und Wandel bildeten die Eckpunkte und gleichzeitig den Konsens zwischen allen Rednern: Den Wandel spürten alle Akteure gleichermassen, die Exzellenz des Schweizer Finanzplatzes war unter den Experten unbestritten. Sie wurde in vielerlei Elementen erwähnt: Stabilität, Kapitalisierung der Banken, Ausbildungsniveau, Internationalität und viele andere Faktoren kamen immer wieder zur Sprache.

Tech-Wettbewerber aus China und den USA

Mit provokanten Worten eröffnete Henri Arslanian, Fintech-Experte bei PwC, den der Finanzindustrie gewidmeten Teil der Konferenz: Die heutigen Banker sollen sich an die Zeit vor mehr als 100 Jahre zurückerinnern. Innert kürzester Zeit waren damals Pferde durch Traktoren ersetzt worden – ein enormer Effizienzgewinn und keinesfalls das Ende des damaligen Wirtschaftssystems. Die mannigfaltigen Umbrüche der letzten 100 Jahre sowie die Metapher von Pferden und Traktoren dienten während der gesamten Konferenz der Illustration des aktuellen Wandels.

Regulierung wird eine entscheidende Rolle spielen.

Henri Arslanian dachte in seiner Rede über die Grenzen des Schweizer Finanzplatzes und des europäischen Raumes hinaus und beschrieb vor allem die Neuerungen, die in China, Indien und in den USA im Technologiebereich allgemein Marktreife erlangen. Die anwesenden Industrievertreter rief er dazu auf, Banking als so zugänglichen und einfachen Service zu denken, wie es Amazons Alexa in allen Bereichen des täglichen Lebens in den USA vormacht. Die grossen Innovationen, so Arslanian, kämen dabei von den schon heute bestimmenden Technologieunternehmen. Die chinesischen Unternehmen Tencent und Alibaba fielen als Stichworte genauso häufig wie Amazon und Google – Techfin statt Fintech. Regulierung, so schloss der Fintech-Experte, werde bei Themen wie Robo Advisory und Artificial Intelligence, eine entscheidende Rolle spielen, nämlich dahingehend, dass Roboter in Bezug auf Verantwortlichkeit genau die gleichen Regeln werden einhalten müssen wie ein Kundenberater aus Fleisch und Blut.

Innovation fördern, global bleiben

Eine Diskussionsrunde aus Verwaltungsratspräsidenten von den Grossbanken, SIX Group, einer Versicherung und der SBVg verlegte den Fokus wieder zurück in die Schweiz. Es wurde deutlich, dass die aktuellen ökonomischen Rahmenbedingungen schwierig sind, aber nicht zuletzt der Wahlausgang in Frankreich Anlass zur Hoffnung für die Eurozone gibt. Davon erhoffen sich die Diskussionsteilnehmer positive Einflüsse auf das währungspolitische Umfeld für die Schweiz. Doch die nach wie vor bestehenden wirtschaftlichen Unterschiede im wichtigsten ausländischen Zielmarkt der Schweiz seien auch in den nächsten Jahren noch gross, was nationalistische Tendenzen üblicherweise begünstigt. Es sei also keine grundsätzliche Entspannung der Situation aus Schweizer Perspektive in Sicht.

Das hohe Bildungsniveau ist ein Erfolgsfaktor für die Schweiz.

Umso wichtiger sei es, so ein Panelteilnehmer, dass die Schweiz in ein hohes Bildungsniveau investiert, das sei ein Erfolgsfaktor für die Schweiz. Für das Zinsumfeld sahen die Diskussionsteilnehmer keine Rückkehr zu deutlich höheren Zinsen. Die Finanzwelt solle sich besser darauf einstellen, dass sich das Tiefzinsumfeld als ständiger Faktor etabliert. Vor allem für Lebensversicherer dürften das keine guten Aussichten sei. Die Schweizer hätten, so ein weiterer Beitrag zur Diskussion, selbst einen gewissen Anteil an der Frankenstärke: Sie würden lieber in der eigenen Währung investieren, als auch auf den Euro als Investitionswährung zurückzugreifen – ein klassischer Home Bias.

Cloud und Blockchain

Konkret bezogen auf das Schweizer Bankengeschäft fasste SBVg-Präsident Herbert J. Scheidt im Rahmen der Diskussionsrunde zusammen, welche Innovationen das Bankengeschäft besonders stark verändern werden, nämlich Dienstleistungen und Prozesse, die in eine Cloud verlagert werden, sowie die Blockchain-Technologie. Insbesondere stelle sich hier die Frage, so Scheidt, wie die Regulierer damit umgehen, dass ein Teil der Aktivitäten künftig wahrscheinlich nicht mehr im Schweizer Rechtsraum stattfinden werde – den Banken aber dafür grosse Effizienzgewinne beschert. Das eigentliche Kerngeschäft, das Beraten von Bankkunden in Vermögensfragen, hänge von der Nähe zum Kunden ab. Man werde die Kunden offshore oder onshore bedienen, je nach Bedürfnis, so Scheidt. Hier hätten die Grossbanken mit ihrer multinationalen Aufstellung einen Wettbewerbsvorteil.

Global wettbewerbsfähig und innovativ bleiben

Trotz aller Herausforderungen zeigten sich die Panelteilnehmer optimistisch für den Finanzplatz: Es seien auch schon andere Umbrüche gemeistert worden, wie gerade auch die Einführung des automatischen Informationsaustauschs gezeigt habe. Entscheidend sei aber, die vorhandenen Stärken, und nicht zuletzt auch das Potenzial einer differenzierten und differenzierenden Regulierung, wirklich auszunutzen. Regulierer und Behörden wurden an dieser Stelle deutlich aufgefordert, für einen günstigen Rahmen zu sorgen, innerhalb dessen Wachstum möglich ist. Rückhalt in der Bevölkerung sei in diesem Zusammenhang ebenfalls ein wichtiger Faktor, so SBVg-Präsident Scheidt. Gefragt nach den wichtigsten Erkenntnissen aus der Diskussion strichen die Panelteilnehmer vor allem zwei Aspekte heraus: die Notwendigkeit für die Schweiz, global wettbewerbsfähig zu bleiben, sowie den Fokus auf Innovation. Auf diese Weise würde der Wandel vom Pferd zum Traktor auf lange Sicht gesehen gut gelingen.

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