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2015/06/30 12:30:00 GMT+2

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Urner Kantonalbank: für eine starke Community

Urner Kantonalbank: für eine starke Community

Google hat eine Banklizenz und auch die massgeschneiderte Vermögensverwaltung gibt es bereits als App. Wie kann sich eine traditionelle Bank in Zeiten der Digitalisierung differenzieren? Die Urner Kantonalbank hat eine Antwort auf diese Frage.

Das 100-Jahr-Jubiläum der Urner Kantonalbank fällt in die Zeit des digitalen Umbruchs der Finanzbranche. Das Angebot an Bankdienstleistungen von branchenfremden Anbietern sowie die Wahlmöglichkeiten für die Kunden wachsen fast täglich. Was bereits in der Vergangenheit eine Herausforderung war, wird in Zukunft noch viel wichtiger. Wie differenziert sich ein Anbieter in einem reizüberfluteten Markt? Und wie kann eine verhältnismässig kleine Bank wie die Urner Kantonalbank mit den grossen Playern mithalten? Die UKB ist überzeugt, dass der Weg über die sogenannte Community gehen wird. "Die Banken, die auch in der Bevölkerung fest verankert sind, also eine treue Kundschaft und Community haben, werden überleben.", zeigt sich Christoph Bugnon, Leiter Markt der Urner Kantonalbank, zuversichtlich.

Daher stimmt die Urner Kantonalbank ihr Jubiläum auch auf das digitale Zeitalter ab. Unterstützt durch klassische Kommunikationsarbeit setzt die UKB auf modernes Business Campaigning, das die Bevölkerung in besonderem Masse einbezieht. Insight wollte mehr wissen und hat bei Christoph Bugnon nachgefragt.

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Christoph Bugnon Leiter Markt, Urner Kantonalbank
 

Insight: Herr Bugnon, früher hatte die UKB Kunden, heute offenbar eine Community. Was steckt hinter diesem Wandel?

Christoph Bugnon: Eigentlich ist dieser Ansatz nichts Neues. Wer lokal gut verankert ist, ehrliche und bedürfnisorientierte Angebote anbietet, die einen wirklichen Nutzen stiften, und obendrein ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal besitzt, der wird immer eine Community haben. Angesichts des raschen digitalen Wandels müssen wir aber aufpassen, dass wir diese nicht verlieren, sondern vielleicht sogar vergrössern können. Das erfordert eine Ausweitung der Schnittstellen zu unseren Kunden und Dialoggruppen. Zudem ist es wichtig, die verschiedenen Kanäle aufeinander abzustimmen und zu koordinieren. Oder anders formuliert: Was früher der Stammtisch war, ist heute das Cross-Channel-Management.

Die Bevölkerung bei einer Jubiläumskampagne einzubeziehen, ist nichts aussergewöhnliches. Was ist anders an der Kampagne der UKB?

Wir stellen die Leitwerte unserer Marke gezielt ins Zentrum und setzen in unserer Kampagne sehr stark auf Authentizität bei unserem Engagement. Zudem überlegen wir permanent, wie wir das Mitmachen so unkompliziert wie möglich gestalten können und wir legen einen grossen Wert auf Zuverlässigkeit.

Müssen Sie in einer Region, die eine hohe Bankendichte, aber geringe Bankenvielfalt aufweist, überhaupt darum kümmern, dass Ihre Kunden Ihnen treu bleiben?

Die UKB ist stark verankert und darf sich aufgrund der enormen digitalen Vernetzung in einer globalen Welt nicht auf die regionalen Grenzen und Besonderheiten verlassen.

Sind Sie gerüstet für die digitale Revolution? Was plant die UKB in diesem Bereich?

Als kleine Kantonalbank haben wir nur beschränkte Möglichkeiten. Wir machen uns intensiv Gedanken und nutzen jeden Spielraum, der sich uns bietet. Durch unsere Grösse sind die Wege kurz und wir haben die Möglichkeit Entscheidungen schnell umzusetzen. Momentan arbeiten wir an einer Cross-Channeling-Strategie welche alle Off- und Online-Kanäle verschmelzen soll. Das sind wir unseren Eignern, der Bevölkerung des Kantons Uri, schuldig.

Wie stehen Sie als eher kleinere Bank den zahlreichen Fintech-Startups gegenüber?

Diese Frage ist angesichts der schieren Menge und enormen Vielfalt fast nicht zu beantworten. Wir beobachten und analysieren, was uns auffällt, lassen uns aber von der Rasanz der Entwicklung nicht aus der Ruhe bringen. Wir haben eine klare Strategie, die wir unbeirrt verfolgen, solange es keine Anzeichen gravierender Systembrüche gibt. Grundsätzlich sehen wir jedoch eher eine Chance für die Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells.

Was wünschen Sie sich von der offiziellen Schweiz, um den digitalen Weg weiter zu gehen?

Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich teilweise stark und dies dürfte aufgrund der Digitalisierung noch weiter zunehmen. Deshalb ist eine sinnvolle, dem Geschäftsmodell angepasste, differenzierte Regulierung notwendig.