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Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2015/06/30 12:30:00 GMT+2

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Journalistenseminar 2015: Fintech ist Fakt

Journalistenseminar 2015: Fintech ist Fakt

Das Journalistenseminar 2015 stand unter dem Motto "Fintech und Digitalisierung". Banken, Fintech-Startups, Regulator und die SBVg sind sich einig: Die Finanzbranche ist gut aufgestellt und offen, diese neuen Herausforderungen und Chancen anzugehen.

Neue Kundenbedürfnisse, branchenfremde Player, umstrukturierte Prozesse: Diese Entwicklungen wurden am zweitägigen Seminar in Bern, vor einem Publikum von über 50 Schweizer und internationalen Journalisten aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Finanzplatz Schweiz – eine erfolgreiche Zukunft

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Am Abend des 8. Juni fand ein hochkarätiges Panel-Gespräch zum Thema "Kennt man die Schweiz nur noch wegen Uhren, Käse und Schoggi – oder wie bleibt Swiss Banking ein Erfolgsgarant?" statt. Es diskutierten Claude-Alain Margelisch, CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Mark Branson, Direktor der Finma, Christian Hinze, Managing Director und COO von BlackRock Switzerland, Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung der Basellandschaftlichen Kantonalbank und Axel Weber, Präsident des Verwaltungsrats der UBS Group, unter der Leitung von Moderator Dirk Schütz, Chefredaktor der Bilanz. Gemäss den Aussagen der Teilnehmer sieht der Finanzplatz Schweiz trotz offener Fragen etwa im Bereich Eigenmittelanforderungen einer erfolgreichen Zukunft entgegen. Besonders betont wurde auch das internationale Ansehen des Finanzplatzes, das, so wurde mit dem einen oder anderen Augenzwinkern formuliert, auch in der guten Regulierung begründet ist.

Die Suche nach dem Gold

Am zweiten Tag erläuterte Claude-Alain Margelisch die Rolle der SBVg im aktuellen Fintech-Wandel. Er zeigte auf, wie der Verband sich seit mehr als einem Jahr des Themas annimmt und wie er seine Rolle als Koordinator in dieser neuen "Welt" ausfüllt. Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik bei der SBVg, gab den anwesenden Journalistinnen und Journalisten eine fundierte Einführung in die Themen Fintech und Digitalisierung. Er betonte, dass die aktuellen Entwicklungen keineswegs nur disruptive Folgen haben, sondern sich daraus durch Zusammenarbeit und Weiterentwicklung, sowohl für Banken als auch neue Player weitere Möglichkeiten und Chancen ergeben. Davon würden insbesondere die Kunden profitieren. Hess erklärte, dass dank dieser Entwicklungen Banken und ihre Dienstleistungen zu "Ökosystemen" werden, in denen sich Kunden virtuell bewegen und ihre Dienste wählen können.

Banken und ihre Dienstleistungen werden zu "Ökosystemen",
in denen sich Kunden virtuell bewegen und ihre Dienste wählen können.

In einem zweiten Block zeigten zwei Referenten – Michael Auer, Leiter Departement Privat- und Anlagekunden und designierter stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, und Michel Juvet, Partner bei Bordier & Cie. – anhand des Geschäftsmodells ihrer Banken eindrücklich, wie sich die Banken für die digitale Zukunft aufstellen. Beide Referenten machten klar, dass der Kunde und seine Bedürfnisse in Zukunft weiterhin im Zentrum stehen und auf on- wie offline Kanälen bedient werden. Beide betonten, dass digitale Lösungen auch in Zukunft den persönlichen Kontakt mit den Kunden nicht vollständig ersetzen werden.

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Im abschliessenden Panelgespräch unter der Leitung von Thomas Sutter, stellvertretender CEO und Leiter Kommunikation der SBVg, erläuterten Journalisten, Professoren, Fintech-Unternehmer und Banker ihre Sicht zum Fintech-Boom. So verglich etwa Andreas Kubli, Head Multichannel Management & Digitalisation der UBS, Fintech mit einer Goldsuche. Beim Goldsuchen könne man entweder Gold suchen oder sich darauf spezialisieren, Schaufeln für andere Goldsucher herzustellen. Genau so verhalte es sich mit Fintech-Startups. Einige Startups werden selbst Gold suchen und bisher traditionelle Services und Produkte von Banken anbieten. Andere werden die Arbeit und die Produkte und Dienstleistungen von Banken massgeblich mitgestalten, jedoch ausserhalb der Bank selbst. Angesprochen auf die Rahmenbedingungen und die Regulierung des Finanzplatzes betonte Hanspeter Rhyner, CEO der Glarner Kantonalbank , wie wichtig es ist, die Regulierung so auszugestalten, dass sie die Möglichkeiten von Fintech zulässt. Als Beispiel zitierte er die Kundenidentifikation über das Internet, welche bisher in der Schweiz so nicht möglich ist. Sebastian Bräuer, Journalist der NZZ am Sonntag, erklärte, dass die Regulierung in der Schweiz auch zu grosser Rechtssicherheit führe. Wenn einmal etwas zugelassen ist, können sich die Akteure auch darauf verlassen. Das sei ein grosser Vorteil der Schweiz. Christina Kehl, Co-Founder & COO von Knip, betonte, dass die Akteure in der Schweiz immer noch sehr harmonisch miteinander umgingen. "Alle haben sich lieb", so ihre (an-)griffige Aussage. In ihren Augen braucht es aber auch fundierte und ab und an harte Diskussionen. Dem konnte Andreas Dietrich, Professor für Banking und Finance an der HSLU, nur zustimmen.

Einige Startups werden die Arbeit, Produkte und Dienstleistungen von Banken massgeblich mitgestalten.

Alle Teile des Journalistenseminars haben erkennen lassen, dass Fintech und Digitalisierung keineswegs nur Modeerscheinungen sind, die sich bald wieder in Schall und Rauch auflösen. Das bestätigte auch die angeregte Twitter-Diskussion während beiden Seminartagen. Es sind Entwicklungen, die die Finanzbranche nachhaltig beeinflussen werden. Der Kunde und seine Wünsche sind die Auslöser und Treiber dahinter und die Banken nehmen diese Chance, sich weiterzuentwickeln, wahr.