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2017/03/29 07:00:00 GMT+2

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Impulse zur Optimierung bei der beruflichen Vorsorge

Impulse zur Optimierung bei der beruflichen Vorsorge

Die Rendite aus der Anlage von Vorsorgegeldern ist die wichtigste Beitragsquelle, also noch wichtiger als die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Grund genug, sich um ihre Optimierung Gedanken zu machen.

Die berufliche Vorsorge hat die Aufgabe, den Versicherten nach ihrer Pensionierung die Fortsetzung ihrer bisherigen Lebenshaltung in angemessener Weise zu ermöglichen. Die ausbezahlten Renten speisen sich aus drei Quellen: den Arbeitnehmerbeiträgen, den Arbeitgeberbeiträgen und den Erträgen aus der Vermögensanlagen. Letztere werden auch der 3. Beitragszahler genannt. In der Vergangenheit war die Rendite aus der Anlage der Vorsorgegelder mit einem Anteil von 40 Prozent die wichtigste Beitragsquelle.

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Quelle: Bundesamt für Statistik (BfS)

Viele Portfolios sind nicht effizient strukturiert

Trotz dieses substanziellen Beitrags zur Finanzierung der beruflichen Vorsorge wird der 3. Beitragszahler, also der Kapitalmarkt, in der politischen Diskussion bis anhin kaum berücksichtigt. Dabei zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die bestehenden Zielrenditen aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung und des schwierigen Zinsumfelds in Zukunft voraussichtlich nicht mehr erreicht werden können. So sind zum Beispiel die Renditen der Anleihen der öffentlichen Hand verbreitet auf unter Null gesunken. Inflationäre Tendenzen sind nach wie vor nicht zu erkennen. Aktien weisen zwar weiterhin eine positive Performance auf, aber mittelfristig dürfte diese unter den Werten der Vergangenheit liegen. Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass sich die Anlagestrategie der Pensionskassen seit den 1980er-Jahren kaum verändert hat. Die Vermutung liegt nahe, dass viele dieser Portfolios nicht effizient strukturiert und nichttraditionelle Anlagen möglicherweise untervertreten sind.

Bestehende regulatorische Freiräume zugunsten der Versicherten nutzen

Asset-Management-Experten verschiedener Banken haben in der Studie „Der 3. Beitragszahler der beruflichen Vorsorge. Impulse zur Optimierung“ untersucht, wie der 3. Betragszahler gestärkt werden kann. Wie sich im Rahmen der Studie gezeigt hat, werden oftmals nicht einmal die bestehenden regulatorischen Freiräume für nichttraditionelle Anlagen genutzt. Hier sollten die Pensionskassen Berührungsängste zunehmend ablegen und wo nötig zusätzliches Know-how aufbauen. Selbstverständlich sollte dieser Prozess produktseitig von Massnahmen zur Verbesserung der Transparenz in dieser Anlageklasse begleitet werden. Um es in der Terminologie der Portfoliotheorie nach Markowitz zu sagen: Es geht darum, im bestehenden regulatorischen Rahmen auf das Niveau der Effizienzgrenze zu kommen, also maximale Rendite bei gleichbleibendem Risiko zu erzielen.

Nötige Flexibilisierung der BVV2?

Sind die grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber nichttraditionellen Anlagen überwunden, sollten auch die fixen Limiten für gewisse Anlageklassen in der für Pensionskassen massgeblichen Verordnung, der BVV2, genauer analysiert und bei Bedarf flexibilisiert werden. Im Rahmen der vorerwähnten SBVg Studie wurde als Diskussionsbasis ein Vorschlag erarbeitet, der in der nachfolgenden Grafik ersichtlich ist.

grafik_3_beitragzahler_2.png
Quelle: Arbeitsgruppe «Berufliche Vorsorge» der SBVg, 2016
 

Eine solche Verschiebung des regulatorischen Rahmens würde im Sinne der Portfoliotheorie eine neue Effizienzgrenze auf höherem Niveau ermöglichen, was wiederum mehr Rendite für die Versicherten bedeuten würde.

Prudent Investor Rule

Langfristig, so wird in der SBVg Studie postuliert, könnten Anlagerichtlinien basierend auf Limiten ganz abgeschafft werden und durch Verhaltensrichtlinien für Pensionskassenverantwortliche ersetzt werden. Wie eine Gegenüberstellung der Regulierung für Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz und vergleichbaren Ländern zeigt, ist die herkömmliche Form der Regulierung mit Einzellimiten auf Anlageklassen nur noch bei wenigen Ländern anzutreffen. Im Gegenteil, vielerorts wird auf eine „Prudent Investor Rule“ gesetzt. Unter einem solchen Regime würden die Pensionskassen die anvertrauten Gelder verwalten, als wären es ihre eigenen – die Interessen der Versicherten und die der Pensionskassenverantwortlichen wären also gleichgerichtet. Der „Prudent Investor“ verfügt damit über grössere Freiräume, trägt aber gleichzeitig auch eine grössere (Ergebnis-)Verantwortung.

Die Träger der beruflichen Vorsorge und die Politik haben es nun in der Hand, den 3. Beitragszahler im Interesse der Versicherten zu stärken.

Die Studie will Impulse zur Diskussion der beruflichen Vorsorge auslösen und bringt konkrete Vorschläge zur Änderung von Rahmenbedingungen. Die Träger der beruflichen Vorsorge und die Politik haben es nun in der Hand, den 3. Beitragszahler im Interesse der Versicherten zu stärken.

Lesen Sie in einem Interview mit Herbert J. Scheidt, wie sich die Studie in die Strategie der SBVg zur Stärkung des Asset Managements in die Schweiz einfügt.

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