SwissBanking
Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2017/03/29 07:00:00 GMT+2

Sektionen

Message
Gesundes Wachstum der Fintech-Szene

Gesundes Wachstum der Fintech-Szene

Gemäss der IFZ Fintech Studie 2017 sind die Rahmenbedingungen für einen Markterfolg von Fintechs hervorragend. Dagegen flachen Gründungseuphorie und Disruptionsambitionen allmählich ab.

Mir ihrem Überblick über die Rahmenbedingungen und die Unternehmensentwicklung im Fintech-Bereich füllt die anfangs März anlässlich einer Konferenz vorgestellte IFZ Fintech Studie 2017 eine grosse Lücke zur Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Fintech-Szene.

Dass im Ranking der besten Fintech-Rahmenbedingungen Zürich und Genf den dritten Rang unter 27 Städten weltweit einnehmen durften, überrascht besonders positiv. Angesichts der Platzierungen der High-Flyers London und Berlin (Platz 8 und 14) sind die exakten Rangierungen mit einer gewissen Vorsicht zu beurteilen.

Die Schweiz macht mit der geplanten Fintech-Lizenz und der Sandbox früh das Richtige.

Luft nach oben sieht die Studie vor allem in puncto Infrastrukturzugang, wobei sich Singapur als Vorbild eigne. Deutliches Entwicklungspotenzial gibt es für die Schweiz auch bei Vereinfachungen im Umfeld von Firmengründungen und im Austausch mit den Behörden (Stichwort E-Government). Gute Noten hingegen vergeben die Autoren für die fintechspezifische Regulierung. Die Schweiz mache mit der geplanten Fintech-Lizenz und der Sandbox früh das Richtige.

Wenig Disruption, viel Spezialisierung

Der zunehmende Unterschied in den Ertragsmodellen zwischen Fintech-Firmen und den Banken sind ein Indiz dafür, dass Fintech-Firmen zunehmend in eigenen Teichen fischen und den Erfolg als Partner von oder als Vorleister für Banken suchen. Auch in Zukunft treten Fintech-Firmen, deren Wachstumschancen im internationalen B2B-Geschäft am grössten sind, vorab als Ergänzung und nicht als Konkurrenten von Banken auf, wie die Studie belegt. Die Autoren sehen kein Risiko eines schlagartigen Verschwindens der heutigen Bankinstitute, sofern diese die Herausforderung der neuen digitalen Möglichkeiten aktiv angehen.

Auch in Zukunft treten Fintech-Firmen, deren Wachstumschancen im internationalen B2B-Geschäft am grössten sind, vorab als Ergänzung und nicht als Konkurrenten von Banken auf, wie die Studie belegt.

Im Gegenteil, im Bestreben, die Effizienz durch Skalierung von Geschäftsaktivitäten zu steigern, werden sich Bankinstitute mithilfe der Technologie zunehmend auf gewisse Kerngeschäfte konzentrieren und diese auch anderen Finanzinstituten zur Verfügung stellen. Es ist deshalb gut möglich, dass dies zu einer weiteren Fragmentierung im Bankengeschäft führt. Diese Entwicklungen dürften nicht ohne Auswirkungen für die Berufsbilder und das Lohnniveau im Bankensektor bleiben.

Moderatere Dynamik

Der Schweizer Fintech-Sektor hat 2016 hinsichtlich Firmengründungen weiter zugelegt, wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Auch die Entwicklung von Finanzierungen wie Venture Capital ist abgeflacht. Die Studie sieht die Gründe in einer Professionalisierung der Arbeit hinsichtlich eines höheren Eigenfinanzierungsgrads.

Die besten Rahmenbedingungen nützen nichts, wenn die Welt keine Notiz davon nimmt oder die Arbeitsbewilligungen für ausländische Mitarbeiter wegzubrechen drohen.

Die Basis weiteren Wachstums liegt jedoch in der Fähigkeit, den Dienstleistungen international zum Durchbruch zu verhelfen und dafür finanzielle und personelle Ressourcen zu akquirieren. Um Letzteres sicherstellen zu können, bedarf es eines Quantensprungs in der internationalen Kommunikation und in der Rechts- und Planungssicherheit. Die besten Rahmenbedingungen nützen nichts, wenn die Welt keine Notiz davon nimmt oder die Arbeitsbewilligungen für ausländische Mitarbeiter wegzubrechen drohen.

Schliesslich ist die überbordende, oft nicht digitalisierte Bürokratie bei den Behördengängen ein Showstopper bei der Entwicklung des Fintech-Ökosystems. Löbliche Ausnahme ist das FINMA Fintech-Fenster. Die Studienautoren sehen die Zutaten, um die Schweiz als global führenden Fintech-Standort zu positionieren, als vorhanden an. Es ist nun am Bankensektor, aus ihnen das Beste zu machen.