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Fintech Schweiz: jetzt nächste Stufe zünden
2015/08/03 00:00:00 GMT+2

Fintech Schweiz: jetzt nächste Stufe zünden

Der Schweiz wird ab und zu nachgesagt, Sie hätte den Aufsprung auf den Fintech-Zug verpasst. Doch allen Unkenrufen zum Trotz hat sich Fintech in der Schweiz erfolgreich etabliert. Was es nun zum nachhaltigen Erfolg braucht, erklärt Thomas Sutter.

Fintech ist das neue Zauberwort auf dem Finanzplatz und nicht mehr das Bankgeheimnis. Und es ist wie immer, wenn etwas Neues in der Schweiz entsteht. Die Startups malochen Tag und Nacht, schauen in den Pausen neidisch ins Ausland und erwarten, dass Level 39 über Nacht in der Schweiz entsteht und alle ihre Probleme löst. Im Umfeld der Szene entsteht ein Biotop von Mitläufern, so genannten Experten und Dealmakern. Die Standortförderungen jeder Sprachregion möchten alles bei sich haben und verzetteln sich. Die Platzhirsche fühlen sich unterschiedlich betroffen und geben Strategien für die nächsten 10 Jahre in Auftrag. Die Politik kümmert sich um das Dringende und nicht das Wichtige. Dabei geht vergessen, dass hier das Wichtige auch dringend ist. Der Regulator macht auf „nicht zuständig“ resp. „es steht doch alles im Gesetz“. Der Verband ist über beide Ohren mit der Vergangenheit beschäftigt, analysiert und diskutiert. Für die Medien ist eh alles zu spät und alle anderen sind viel weiter. Und was machen diese anderen? Sie schauen zu und lachen sich ins Fäustchen.

Einspruch: es läuft überall mehr als perzipiert

Dabei sieht es anders aus. Über 100 Fintech-Unternehmen mit enthusiastischen Entrepreneurs haben sich hier niedergelassen, wachsen und organisieren sich. Zahlreiche Banken – und nicht bloss die Grossen – haben Fintech-Produkte lanciert und verorten die Steigerung des Kundennutzens als Hauptzielsetzung für ihre angepassten Geschäftsmodelle. Beim Regulator steigt – darf man den Medienberichten glauben – zaghafter weisser Rauch auf. Heureka! Das Thema scheint in den Amtsstuben angekommen zu sein. Nun fehlt nur noch ein kritischer Artikel in der Financial Times zum Zustand der Szene als Bestätigung, dass wir wirklich auf dem richtigen Weg sind und London unseren Atem spürt.

Plädoyer für disruptives Vorgehen

Bis es aber soweit ist, müssen wir hart arbeiten. Fintech wird grosses Disruptionspotential nachgesagt. Für mich bedeutet dies, dass auch der zeitaufwändige eingangs beschriebene typische Schweizermechanismus „disrupted“ werden muss. Zeit ist essentiell. „Done is better than perfect“. Daher beschränke ich mich nachfolgend auch auf vier für mich wichtige Massnahmen – wohlwissend, dass es noch viele andere braucht.

  1. Das politische System kann nicht bekämpft oder negiert, sondern muss bearbeitet werden. Pauschale Kritik aus der Fintech-Szene ist passé und der Lärm soll leiser werden. Substanz ist gefragt. Nur mit konkreten Anliegen kann man die politische Agenda beeinflussen.
  2. Die Politik muss ein klares Bekenntnis zum Wachstum von Fintech in der Schweiz abgeben und die hoffentlich vorhandene digitale Affinität auch zeigen. Das hat nichts mit Industriepolitik zu tun und kostet erst noch nichts. Es ist aber das dringend erwartete Signal an die hiesigen Fintech-Unternehmen und noch mehr an potentiell neue Player, dass die Schweiz bereit ist.
  3. Gesetze und Regulierungen müssen darauf geprüft werden, ob sie auch für digitale Geschäftsmodelle tauglich sind resp. bei einer neu zusammengesetzten Wertschöpfungskette funktionieren.
  4. Die vielen Einzelmassnahmen müssen koordiniert und zeitnah vorangetrieben werden. Die Bankiervereinigung als Vertreterin der Bankenbranche ist bereit, ihren Teil dazu beizutragen.

Und wenn alle Akteure die typisch schweizerische „yes but-Mentalität“ ablegen und durch das angelsächsisch geprägte „why not-Verhalten“ ersetzen, wird mir für den Finanzplatz Schweiz und alle seine etablierten und neuen Akteure nicht bange.

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