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Pensionskassen: Weniger Leistungskürzungen durch bessere Anlageergebnisse

Basel, 2017/02/14 09:30:00 GMT+1 Die Frage, mit welchen Mitteln Rentner ihren Lebensunterhalt bestreiten, ist aktueller denn je. Die politische Diskussion um die Altersvorsorge 2020 wird in der Frühjahrssession im Parlament fortgeführt.

Die Rendite aus der Anlage der Vorsorgegelder war bisher die wichtigste Beitragssäule für unsere Altersguthaben. Trotzdem wird sie in der politischen Diskussion bis heute nicht berücksichtigt. Dabei zeichnet sich ab, dass die bestehenden Zielrenditen in Zukunft nicht mehr erreicht werden können. Deshalb drohen bei der Altersvorsorge eine Finanzierungslücke und Leistungskürzungen. Um dies abzuwenden, müssen die Anlagestrategien der Pensionskassen dem veränderten Anlageumfeld angepasst und zusätzliche Renditequellen erschlossen werden. Die heute präsentierte Studie zeigt mehrere Schritte zur Renditeoptimierung auf, zum Beispiel die verstärkte Nutzung nichttraditioneller Anlagen und eine notwendige Neuordnung der BVV2-Anlagerichtlinien. Die zuständigen Behörden müssen die Notwendigkeit solcher Änderungen erkennen und entsprechend handeln.

  • Die politische Diskussion um die Altersvorsorge 2020 vernachlässigt sträflich folgenden Aspekt: die Rendite aus der Anlage der Vorsorgegelder, auch 3. Beitragszahler genannt.
  • Die Anlagestrategien der Pensionskassen müssen angepasst werden.
  • Zusätzliche Renditequellen müssen erschlossen werden (nichttraditionelle Anlagen).
  • Eine Neuordnung der Anlagerichtlinien für die berufliche Vorsorge ist notwendig.
  • Appell an die zuständigen Behörden: Änderung tut Not.

Studie „Der 3. Beitragszahler der beruflichen Vorsorge – Impulse zur Optimierung“

Die Studie „Der 3. Beitragszahler der beruflichen Vorsorge – Impulse zur Optimierung“ wurde von Experten aus dem Kreis der Mitglieder der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) und der 2016 ins Leben gerufenen Asset Management Plattform erstellt. Sie gibt zahlreiche Denkanstösse zu einer Verbesserung der Anlagestrategie mit dem Ziel, höhere Renditen bei gleichbleibendem Risiko zu erzielen. Thematisiert wird insbesondere das Investieren in nichtraditionelle Anlageklassen. „Ohne eine Anpassung der Anlagestrategie stehen Pensionskassen vor Renditeproblemen. Damit würde man ohne guten Grund das Risiko einer Finanzierungslücke und Leistungskürzungen in der Altersvorsorge in Kauf nehmen“, sagt Herbert J. Scheidt, Präsident SBVg. 

Nichttraditionelle Anlagen untervertreten – BVV2-Richtlinien setzen falsche Anreize

Das Umfeld für die professionelle Vermögensanlage hat sich in Anbetracht von Negativzinsen und weiteren Faktoren in den letzten Jahren stark verändert. Trotzdem blieben die Anlagestrategien der Schweizer Pensionskassen seit den 1980-er Jahren weitgehend unverändert. Deren Anlagepolitik ist im Mittel auch heute von Obligationen, Aktien und inländischen Immobilien dominiert, während nichttraditionelle Anlagen unverändert einen untergeordneten Stellenwert haben. Begünstigt wird dies durch die Anlagerichtlinien über die berufliche Vorsorge (BVV2), die mit ihrer traditionellen Kategorieneinteilung aus heutiger Sicht falsche Anreize setzen. Eine Neukategorisierung der BVV2 ist notwendig, um eine Änderung im Anlageverhalten herbeizuführen.

Mehr Rendite bei gleichbleibendem Risiko

Im internationalen Vergleich der Anlageperformance liegt die Schweiz im unteren Feld. Länder mit einem höheren Anteil an nichttraditionellen Anlagen weisen dagegen tendenziell höhere Renditen aus. Vergleichsanalysen lassen darauf schliessen, dass die Renditedifferenz zwischen einem heutigen Durchschnitts-Pensionskassenportfolio und einer breiter diversifizierteren Variante vor Kosten bei gleichbleibendem Risiko rund ein Prozent jährlich betragen würde. Für die Altersguthaben der zweiten Säule würde dies zu einer Erhöhung von ca. 8 Milliarden Franken führen.

Notwendige Impulse zur Optimierung

Für die SBVg ist das Asset Management ein strategisch bedeutendes Thema. Bei ihren Mitgliedsinstituten gibt es einen grossen Wissens- und Expertenpool, den es zu nutzen gilt. „Mit diesem Expertenwissen in Asset Management-Fragen sieht es die SBVg als ihre Pflicht, einen aktiven Beitrag zur Lösung für eine nachhaltig erfolgreiche Vorsorge zu leisten. Die heute vorgestellte Studie macht das“, sagt Iwan Deplazes, Leiter des Asset Management Ausschusses bei der SBVg und Präsident der Asset Management Plattform. Andere Verbände haben Fragestellungen zur Sicherung der Altersvorsorge aus Sicht des 3. Beitragszahlers ebenfalls thematisiert, namentlich die Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA) und der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte (SVSP). Damit wird die Dringlichkeit der Thematik für die Berücksichtigung in der politischen Diskussion eindrucksvoll belegt.

Wichtige Aspekte aus der Studie „Der 3. Beitragszahler der beruflichen Vorsorge – Impulse zur Optimierung“

  • Entmystifizierung
    Die Studie strebt an, Berührungsängste mit nichttraditionellen Anlagen abzubauen und ruft auf, vermehrt vorhandene Freiräume innerhalb der BVV2-Anlagerichtlinien zu Gunsten einer höher erwarteten Rendite auszunutzen.
  • Neukategorisierung und Flexibilisierung der Anlagerichtlinien
    Weiterhin drängt sich eine Anpassung der BVV2-Richtlinien auf. Anlageklassen sollten neu als Fremdkapital, Eigenkapital, Realwertanlagen sowie Trading & Ressourcen kategorisiert werden. Dabei werden die Klassen Private Equity, Private Debt und Infrastruktur ihren (kotierten) Pendants zugeordnet. Diese Anpassung soll das Aufbrechen bisheriger Anlagemuster erleichtern. Zudem sollte die prozentuale Beschränkung der Kategorien erweitert werden.
  • Prudent Investor Rule
    Pensionskassen sollten nach der Prudent Investor Rule reguliert werden. Unter diesem in vielen Ländern bereits üblichen Konzept verwaltet die Pensionskasse die Gelder als Prudent Investor, also so, als wären es ihre eigenen. Pensionskassen hätten damit deutlich mehr Verantwortung, aber auch deutlich mehr Spielraum in den Anlageentscheiden.

Asset Management Plattform Schweiz

Die SBVg hat das Asset Management als eines der Hauptentwicklungsfelder für den Schweizer Finanzplatz definiert. Entsprechend wurde zusammen mit SFAMA die Asset Management Plattform gegründet. Sie hat das Ziel, das Asset Management in der Schweiz weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Themenkreis ist die Debatte zur Altersreform 2020.
Pensionskassen verwalten in der Schweiz Vorsorgevermögen in der Höhe von über 800 Milliarden Franken. In der Schweiz gehören Banken zu den grössten Asset Managern. Aus diesem Grund wollen sie einen Beitrag für Pensionskassen und Vorsorgewerke und damit für die Gesellschaft leisten.