Sektionen

Message

Medienkonferenz Bankiertag 2014

Basel, 2014/09/16 13:00:00 GMT+2 Die Medienkonferenz zum Bankiertag der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) stand im Zeichen der grossen zukünftigen Herausforderung für Banken in der Schweiz: Dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit durch offene Dienstleistungs- und Arbeitsmärkte. Zum Erhalt dieser Wettbewerbsfähigkeit fordert die SBVg, dass die Schweizer Regulierung nur soweit wie nötig angepasst wird. Die Branche wehrt sich entschieden gegen Abschottungstendenzen und einen Swiss Finish. Patrick Odier appelliert an einen geschlossenen und vor allem gemeinsamen Auftritt der Schweiz gegenüber dem Ausland.
Die diesjährige Medienkonferenz zum Bankiertag legte viel Gewicht auf die Themen Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Mit seiner langen Tradition in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung ist der Finanzplatz Schweiz auf einen guten Zugang zu ausländischen Märkten angewiesen. Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), betonte, dass der Schweizer Finanzplatz wachsen können muss, um weiterhin zur Weltspitze zu gehören.

Kein Wachstum ohne Marktzugang

Aufkeimende protektionistische Tendenzen und neue internationale Standards wie MiFID schränken den ausländischen Marktzugang für Schweizer Banken mehr und mehr ein und behindern Banken in ihren Geschäftstätigkeiten. Doch nur wenn Banken in der Schweiz ihre ausländischen Kunden weiterhin grenzüberschreitend bedienen können, wandern keine Arbeitsplätze ab. Da es in dieser Frage aus politischen Gründen mittelfristig kaum zu einem bilateralen Abkommen mit der EU kommen kann, muss die Schweiz rasch zwischenstaatliche Lösungen mit wichtigen EU-Ländern finden, um den grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr sicherzustellen. Patrick Odier betonte, dass die Banken in der Schweiz dafür auch bestimmte internationale Regeln zu übernehmen bereit sind. Die SBVg wehrt sich jedoch gegen alles, was darüber hinausgeht. „Ja zur Äquivalenz – nein zu einem systematischen Swiss Finish“ fasst Patrick Odier die Position zusammen. Im Finanzdienstleistungsgesetz FIDLEG und im Finanzinstitutsgesetz FINIG finden sich zahlreiche Beispiele eines solchen Swiss Finish. So will der Artikel 11 im FINIG die zurückgewiesene gesetzliche Weissgeldstrategie durch eine Hintertür im Schweizer Gesetz verankern. Dies obwohl die Banken in der Schweiz bereits seit längerem mit Erfolg eine steuerkonforme Strategie verfolgen. Patrick Odier kritisierte dieses Vorgehen: „Die empfohlenen Massnahmen sind durch kein Äquivalenzkriterium gerechtfertigt und entsprechen keinem internationalen Standard.“ Weitere Kritik der SBVg betrifft die geplanten straf- und zivilrechtlichen Anpassungen. Die Einführung der Verbandsklage, der Gruppenvergleich und die zu weitgehenden Straftatbestände sind abzulehnen, ebenso die angedachte Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche und die Einführung eines Prozesskostenfonds. Will der Gesetzgeber daran festhalten, gehören diese Regelungen ins Zivilrecht und müssen für alle Branchen gelten und nicht nur für den Finanzsektor.

Abschottung ist kein nachhaltiger Lösungsansatz

Die SBVg setzt sich dafür ein, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Banken nicht politisch eingeschränkt wird. Claude-Alain Margelisch, Geschäftsführer der SBVg, erörterte dies anhand der möglichen Konsequenzen der Masseneinwanderungsinitiative. Die Interessen der Wirtschaft als Ganzes müssen bei der Umsetzung der Initiative berücksichtigt werden und die Wertschöpfung von Arbeitsplätzen soll als Schlüssel bei einer allfälligen Kontingentierung dienen. Der Bundesrat soll bei der Umsetzung der Initiative die bestehenden Spielräume ausnutzen. Eine zu enge Umsetzung wäre für die Wirtschaft und speziell für eine derart global ausgerichtete Branche wie den Finanzplatz fatal.

Lange Tradition der Selbstverantwortung

Zwei angepasste Selbstregulierungen bezüglich Hypothekarfinanzierungen traten am 1. September in Kraft. Diese Massnahmen, so Claude-Alain Margelisch, zeigen die lang bewährte Tradition der Selbstverantwortung der Bankenbranche und wie die Branche geschlossen hinter sinnvollen und erfüllbaren Lösungen steht. Weitere Verschärfungen in dieser Thematik lehnt die SBVg ab, da es sehr wichtig ist, dass diesen Massnahmen nun genügend Zeit eingeräumt wird, ihre Wirkung zu entfalten

Erfolgsfaktor Zusammenhalt

An der diesjährigen Generalversammlung wurden fünf neue Verwaltungsräte ernannt: Stefano Coduri, CEO BSI SA; Dr. Jürg Gutzwiller, Verwaltungsrat der RBA-Holding AG; Roland Ledergerber, CEO St.Galler Kantonalbank; Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident Credit Suisse AG; Prof. Dr. Axel Weber, Verwaltungsratspräsident UBS AG. Die Besetzung des Verwaltungsrats der SBVg unterstreicht die breite Abstützung der Vereinigung und zeigt das Bekenntnis der Banken zum Schweizer Finanzplatz. Patrick Odier wertete es als zentral, dass der Schweizer Finanzplatz und die Schweiz ihre Interessen geschlossen und gemeinsam gegen aussen vertreten. Nur so kann der Schweizer Finanzplatz wachsen und weiterhin zum Wohlstand in der Schweiz beitragen.

Schweizerischer Bankiertag

Der Bankiertag ist die jährliche Generalversammlung der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) und bildet einen der Höhepunkte im Schweizer Bankenjahr. Der diesjährige Bankiertag findet heute in Luzern statt. Nebst der Begrüssungsrede durch Patrick Odier, Präsident der SBVg, wird Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Energie, Verkehr und Kommunikation, die Grussbotschaft des Bundesrats überbringen.

Erstmals wurden am Bankiertag die Banklehr-Absolventen mit den besten betrieblichen Noten ausgezeichnet und prämiert.

Im Mittelpunkt des Bankiertages in Luzern steht der Austausch zwischen Persönlichkeiten aus der Welt der Banken, Politik und Industrie sowie Botschafter, die dem Anlass internationale Ausstrahlung geben. Es werden rund 320 geladene Gäste erwartet.

 

Mitteilung an die Medien

Die Rede von Claude-Alain Margelisch finden Sie ab 09:00 Uhr unter www.swissbanking.org. Die Präsidialrede von Patrick Odier steht nach Beginn des Bankiertages um 17:30 Uhr auf www.swissbanking.org zur Verfügung.