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Bankengruppen

Bankengruppen

Der Bankensektor in der Schweiz zeichnet sich neben zahlreichen anderen Qualitäten durch seine Vielfalt und Heterogenität aus. Dabei haben sich im Laufe der Jahre sehr unterschiedliche Bankengruppen entwickelt und zum Teil spezialisiert.

Universalbank Schweiz als Modell

Das Schweizer Bankensystem ist auf dem Modell der Universalbank aufgebaut. Das heisst: Alle Banken können alle Bankdienstleistungen anbieten, zum Beispiel:

  • Kredit- bzw. Aktivgeschäft
  • Einlagen- bzw. Passivgeschäft (Sparkonti etc.)
  • Vermögensverwaltung und Anlageberatung
  • Zahlungsverkehr
  • Wertschriftengeschäft (Börsenhandel)
  • Emissionsgeschäft (Ausgabe von Anleihen oder Aktien)
  • Finanzanalyse

Die in der Schweiz tätigen Banken können in die folgenden Bankengruppen eingeteilt werden:

Grossbanken

Die Grossbanken bieten grundsätzlich alle Geschäfte an, insbesondere auch das Investment Banking (Kapitalmarkttransaktionen, Handel mit Wertschriften, Durchführung von Geldmarktgeschäften, Financial Engineering, Wertschriftengeschäft, Durchführung und Beratung bei Firmenzusammenschlüssen und Firmenübernahmen). Ein wesentliches Merkmal der Grossbanken ist ihre starke internationale Ausrichtung und Verflechtung. Zur Gruppe der Grossbanken gehören die UBS AG und die Credit Suisse AG. Beide Grossbanken sind in über 50 Ländern und an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt mit Niederlassungen und Tochtergesellschaften vertreten. Die Grossbanken teilen sich über 50% der gesamten Bilanzsumme aller Banken in der Schweiz.

Kantonalbanken

Die Kantonalbanken sind meist in allen Geschäftsfeldern tätig, weisen aber ein ausgeprägtes Spar- und Hypothekargeschäft aus. In einzelnen Fällen spielt auch das Vermögensverwaltungsgeschäft mit inländischen Kunden eine wichtige Rolle. Kantonalbanken sind hauptsächlich im betreffenden Kanton tätig. Vereinzelt unterhalten sie ausserkantonale Filialen oder sind gar über die Landesgrenze hinaus präsent. Die Mehrheit der Kantonalbanken sind öffentlich-rechtliche Anstalten mit eigener Rechtspersönlichkeit. Daneben existieren auch gemischtwirtschaftliche oder privatrechtliche Aktiengesellschaften. Der Verband der Schweizerischen Kantonalbanken (VSKB) wurde 1907 gegründet. Er vertritt die gemeinsamen Interessen der Gruppe gegenüber Dritten und fördert die Zusammenarbeit seiner Mitglieder. Mit der Revision des Bankengesetzes vom 1. Oktober 1999 wurde die Staatsgarantie als konstitutives Merkmal einer Kantonalbank aufgehoben. Der Kanton Bern leitete darauf als einziger Kanton eine schrittweise Aufhebung der Staatsgarantie bis zum Jahr 2012 ein. Die anderen Kantonalbanken kommen weiterhin in den Genuss einer uneingeschränkten Staatsgarantie, mit Ausnahme der Banque Cantonale Vaudoise und der Banque Cantonale de Genève, die schon vor der Revision des Bankengesetzes über keine bzw. lediglich über eine eingeschränkte Staatsgarantie verfügten. Die Bilanzsummen der Kantonalbanken variierten per Ende 2014 zwischen CHF 2,6 Mrd. und über CHF 158 Mrd.

Auslandsbanken

Die ausländisch beherrschten Banken sind oft in allen Geschäftsfeldern tätig. Teilweise konzentrieren sie sich aber auf das Vermögensverwaltungsgeschäft oder auf das Investmentbanking, wobei die Vermögensverwalter vor allem ausländische Kunden bedienen. Zudem sind einige Institute in der Handelsfinanzierung tätig. Seit 1972 sind alle ausländisch beherrschten Banken und Filialen ausländischer Banken im Verband der Auslandsbanken in der Schweiz (AFBS) zusammengeschlossen.

Raiffeisenbanken

Die Raiffeisenbanken sind als einzige Bankengruppe genossenschaftlich organisiert und in der „Raiffeisen Schweiz“ Genossenschaft zusammengeschlossen. Zur Raiffeisen-Gruppe gehörten Anfang 2016 292 eigenständige, lokal verankerte und genossenschaftlich strukturierte Banken mit einer über 100-jährigen Tradition. Die Raiffeisenbanken konzentrieren sich vorwiegend auf das klassische Zinsengeschäft mit Hypothekar- und Unternehmenskrediten einerseits und Kundengeldern in Spar- und Anlageform andererseits. Die einzelnen Raiffeisenbanken sind vorwiegend regional tätig, als Gruppe jedoch landesweit zusammengefasst. Raiffeisen Schweiz Genossenschaft nimmt innerhalb der Raiffeisen Gruppe operative und strategische Aufgaben wahr und ist die übergeordnete Haftungsträgerin. In dieser Funktion garantiert Raiffeisen Schweiz Genossenschaft sämtliche Verbindlichkeiten der Raiffeisenbanken. Untereinander haften die Raiffeisenbanken solidarisch. Im Bereich der operativen Geschäftstätigkeit übernimmt Raiffeisen Schweiz Genossenschaft u. a. die Sicherstellung der Zentralbankfunktion (Geldausgleich, Liquiditätshaltung und Refinanzierung) und ist für Bankgeschäfte (Interbankengeschäfte und Wertschriftenhandel) sowie die Risikostreuung zuständig.

Andere Banken

In dieser Gruppe werden jene Banken zusammengefasst, die sich nicht in eine andere Gruppe einfügen lassen. Sie haben keine nennenswerten gemeinsamen Merkmale.

Auf Börsen-, Effekten- und Vermögensverwaltungsgeschäfte spezialisierte Banken

Die Börsenbanken sind hauptsächlich im Vermögensverwaltungsgeschäft tätig. Zu ihrer Kundschaft gehören sowohl inländische als auch ausländische Personen. Die Interessenvertretung wird seit 1981 von der Vereinigung schweizerischer Handels- und Verwaltungsbanken wahrgenommen.

Regionalbanken und Sparkassen

Die Banken dieser Gruppe konzentrieren sich vorwiegend auf das klassische Zinsengeschäft mit Hypothekar- und Unternehmenskrediten einerseits und auf Kundengelder in Spar- und Anlageform andererseits. Ihre Geschäftstätigkeit ist somit derjenigen der kleineren Kantonalbanken sehr ähnlich, ihr geographisches Tätigkeitsgebiet ist in der Regel jedoch kleiner. Ihr Vorteil ist Kundennähe, sie kennen die lokalen Verhältnisse und regionalen Wirtschaftskreisläufe. Die meisten Regionalbanken und Sparkassen haben ihren lokalen Charakter bewahrt und sind noch oft in Form einer Genossenschaft organisiert oder befinden sich als Aktiengesellschaft grösstenteils im Besitz der eigenen Kunden oder der lokalen Bevölkerung. Die meisten Regionalbanken sind auf www.regionalbanken.ch präsent. 1971 schlossen sich die meisten Banken dieser Gruppe zum Verband Schweizer Regionalbanken zusammen. Der Verband gründete 1994 die RBA-Holding AG. Die Mitglieder der RBA-Holding AG sind autonom und dezentral organisiert. In den rückwärtigen Bereichen können sie aber auf Dienstleistungen der RBA-Holding AG zugreifen. Per 1. Januar 2006 traten 14 Banken aus der RBA-Holding AG aus; der Grossteil dieser Banken schloss sich in der Esprit-Interessengemeinschaft zusammen. Seit dem Jahr 2004 existiert zudem die Clientis Gruppe, ein Zusammenschluss von mittleren und kleineren RBA-Banken und der Clientis AG. Die Clientis Gruppe hat die Rechtsform einer einfachen Gesellschaft mit der Clientis AG als Geschäftsführerin. Die Clientis AG bietet den Mitgliedern Zugang zu Geld- und Kapitalmärkten sowie zentrale Unterstützungs- und Transaktionsdienstleistungen.

Privatbankiers

Privatbankiers sind meist als Vermögensverwalter tätig und als Einzelfirmen, Kollektiv- und Kommanditgesellschaften organisiert. Ihre Kunden kommen aus dem In- und Ausland. Seit 1934 sind die Privatbankiers in der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers zusammengeschlossen. Die Hauptaufgabe der Vereinigung besteht in der Pflege und Wahrung der professionellen Interessen der Privatbankiers. Sie umfasst nur Banken der Bankengruppe Privatbankiers. Anfang 2014 wurde neben der bestehenden Vereinigung der Schweizerischen Privatbankiers die Vereinigung Schweizerischer Privatbanken gegründet. Sie vertritt die Interessen der auf Vermögensverwaltung spezialisierten Schweizer Banken in privater Hand. Die Gründung erfolgte im Zuge der Umwandlung von vier Privatbankiers in Aktiengesellschaften per 1. Januar 2014, die dadurch auch von der Bankengruppe Privatbankiers in die Bankengruppe Börsenbanken umgeteilt wurden. Diese vier Banken sind zusammen mit weiteren Privatbankiers Mitglieder der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken. Die Vereinigung umfasst daher Institute der beiden Bankengruppen Börsenbanken und Privatbankiers. Es werden zwei Gruppen von Privatbankiers unterschieden: Privatbankiers, die sich öffentlich zur Annahme fremder Gelder empfehlen, und Privatbankiers, die sich nicht öffentlich zur Annahme fremder Gelder empfehlen. Bis zum Jahr 2001 wurden in beiden Kategorien Institute geführt. Seit dem Jahr 2002 gibt es nur noch Privatbankiers, die sich nicht öffentlich zur Annahme fremder Gelder empfehlen. Empfehlen sich Privatbankiers nicht öffentlich zur Annahme fremder Gelder, müssen sie weder Jahresrechnung noch Zwischenbilanz veröffentlichen.