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Rückblick 2016/2017

Rückblick 2016/2017

In den letzten zwölf Monaten hat sich die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) an klaren strategischen Stossrichtungen ausgerichtet und sich businessorientiert aufgestellt. Die Mannschaft ist komplett und die SBVg positioniert sich als Think Tank für die Anspruchsgruppen und Mitglieder.

Die SBVg hat eine klare Ambition: Der Finanzplatz Schweiz soll an der Spitze bleiben. Schon heute hat der Finanzplatz Schweiz beste Voraussetzungen, auch morgen erfolgreich zu sein. Die Schweiz ist der grösste Standort für grenzüberschreitende Vermögensverwaltung der Welt, in der Schweiz gibt es eine im internationalen Vergleich ausgezeichnete Vielfalt an Banken und die Schweizer Banken sind international wettbewerbsfähig. Damit der Finanzplatz Schweiz auch morgen erfolgreich sein wird, muss die Branche heute für die bestmöglichen Rahmenbedingungen eintreten.

Die folgenden drei Leitlinien bilden die Basis für den Erhalt und Ausbau der Attraktivität des Schweizer Finanzplatzes:

  • Erstens, Offenheit: Die SBVg steht konsequent für Marktzugang und offene Märkte ein und wehrt sich gegen Abschottungstendenzen sowohl im In- wie im Ausland.
  • Zweitens, Innovation: Die SBVg setzt sich proaktiv mit Trends in der Industrie auseinander. Stichworte sind Entwicklungen im Bereich der Cloud, die Wirkung der Digitalisierung auf die Veränderung der Kundenschnittstelle und Outsourcing-Themen vor dem Hintergrund zunehmender Industrialisierung und Effizienzsteigerung.
  • Drittens, Wettbewerbsfähigkeit als klares Ziel in der Regulierung: Kein Vorauseilen bei der Umsetzung internationaler Standards, Konkurrenzfinanzplätze im Blick haben.


Einzelne Themen des Jahres 2016:

Finanzplatz-Promotion

Verstärkte Vermarktung des Finanzplatzes im In- und Ausland

In seinem Finanzmarktbericht 2016 hat der Bundesrat die Ziele zur Weiterentwicklung der Schweizer Finanzmarktstrategie vorgestellt. Der Bundesrat anerkennt darin die wichtige Rolle, die der Finanzplatz für die Schweizer Volkswirtschaft spielt und will sich für einen wettbewerbsfähigen, global führenden Finanzplatz einsetzen. Begrüssenswert ist auch, dass die Eidgenössische Finanzmarktaufsichtsbehörde FINMA mit ihren strategischen Zielen bis 2020 ähnliche Ziele verfolgt. Die enge und intensive Zusammenarbeit von allen Finanzplatzakteuren, der Wirtschaft, der Behörden und der Politik ist nötig, um die Interessen des Finanzplatzes glaubwürdig zu vertreten und den Finanzplatz Schweiz im In- und Ausland klar zu positionieren.

Ein erfolgreiches Beispiel, wie die Stärken des Finanzplatzes im Ausland noch bekannter gemacht werden, ist die Reise einer Delegation von Branchenvertretern über Ostern 2017 nach Peking, Shanghai, Singapur und Hong Kong. Die Delegation wurde von Bundesrat Ueli Maurer, Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD), angeführt. Während der Treffen in Peking und Shanghai wurden vor allem Marktzugangsfragen erörtert, während Singapur und Hong Kong als globale Finanzplätze ähnlich gelagerte Interessen wie die Schweiz geäussert haben, wenn es um die Entwicklung internationaler Standards wie Basel III oder dem automatischen Informationsaustausch (AIA) geht. Die Reise ist ein Meilenstein in den Bestrebungen der SBVg und der Eidgenossenschaft, den Schweizer Finanzplatz im Ausland besser zu positionieren. In mittlerer Frist werden solche und ähnliche Reisen als Instrument der Schweizer Finanzmarktpolitik eine wichtige Rolle spielen.

Altersvorsorge

Impulse zur Optimierung der Beruflichen Vorsorge

Mit der Studie „Der 3. Beitragszahler der beruflichen Vorsorge“ hat die SBVg zusammen mit der Asset Management Plattform Impulse zur Optimierung der beruflichen Vorsorge gegeben und sucht den Dialog, um einen Beitrag zur Stärkung der Altersvorsorge in der Schweiz zu leisten. Die Rendite aus der Anlage der Vorsorgegelder, der sogenannte 3. Beitragszahler, war bisher die wichtigste Beitragssäule für unsere Altersguthaben. Trotz des substanziellen Beitrages von rund 40 Prozent wird sie in der politischen Diskussion bis heute nicht berücksichtigt. Der Altersvorsorge drohen eine Finanzierungslücke und Leistungskürzungen, denn es zeichnet sich ab, dass die bestehenden Zielrenditen in Zukunft nicht mehr erreicht werden können. Um dies abzuwenden, haben Asset-Management-Experten verschiedener Banken und die SBVg in der Studie „Der 3. Beitragszahler der beruflichen Vorsorge: Impulse zur Optimierung“ untersucht, wie der 3. Betragszahler gestärkt werden kann. Die Studie will Impulse zur Diskussion der beruflichen Vorsorge auslösen und bringt konkrete Vorschläge zur Änderung von Rahmenbedingungen. Die Träger der beruflichen Vorsorge und die Politik sind aufgefordert, den 3. Beitragszahler im Interesse der Versicherten zu stärken. Weiterhin trägt die Studie dazu bei, die Schweiz als Asset Management-Standort zu stärken.

Fintech und Digitalisierung

Die SBVg hat Fintech und Digitalisierung nicht nur auf dem Radar, sondern gestaltet die Rahmenbedingungen für die im Strukturwandel befindlichen Banken aktiv mit, indem sie sich für ein bestmögliches und modernes regulatorisches Umfeld einsetzen. Dafür hat die SBVg im Sommer 2016 die Expertengruppe (EG) Fintech ins Leben gerufen, in der hochrangige Vertreter aller Bankengruppen Einsitz nehmen. Die EG Fintech beobachtet unter anderem zukunftsträchtige Fintech-Entwicklungen und analysiert die Eignung der Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Stärkung der Finanzindustrie und die Sicherstellung des Level-Playing Fields für Banken. Durch die Nutzung von Synergien und die Abstimmung von Aktivitäten mit anderen Verbänden, beispielsweise Swiss Fintech Innovations und Swiss Finance Startups, wird eine effiziente Arbeitsweise garantiert. Damit leistet die SBVg einen wichtigen Beitrag zum Schweizer Finanzplatz der Zukunft.

FIDLEG/FINIG

Wettbewerbsfähigkeit, Rechtssicherheit und Exportfähigkeit durch FIDLEG/FINIG

Das legislative Grossprojekt zur Revision des Finanzmarktrechts ist nach wie vor in vollem Gange. Die SBVg hat sich in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt, dass die Vorlage im Sinne der Branche und der Gesamtwirtschaft abgespeckt wird und dass die Anforderungen an die Finanzdienstleister und -produkte nicht höher ausfallen, als dies international der Fall ist. Der Ständerat hat die Gesetzesentwürfe zu FIDLEG und FINIG stark verbessert und im Dezember 2016 verabschiedet. Damit erhält die Schweiz einen praxistauglichen Anlegerschutz. Indem mehrheitlich bereits heute geltendes Recht systematisch in eine Rechtsquelle überführt wird, erhöht sich sowohl für die Anleger als auch für die Branche die Rechts- und Planungssicherheit. Auch im Hinblick auf die Wettbewerbs- und Exportfähigkeit der Schweizer Finanzindustrie sind positive Impulse zu erwarten. FIDLEG und FINIG stärken Rechtssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und den Ruf des Finanzplatzes. Mit einer zügigen weiteren Behandlung im Nationalrat in der Herbstsession 2017 und einer baldigen Umsetzung von FIDLEG/FINIG spätestens auf Anfang 2019 würde eine wichtige Voraussetzung für den Zugang zum EU-Markt geschaffen. Eine moderne Finanzgesetzgebung ist im Interesse aller Finanzdienstleister und ihrer Kunden und somit eine Grundvoraussetzung für eine gesunde Volkswirtschaft.

AIA

Informationsaustausch auf internationaler Ebene

Das Global Forum on Transparency and Exchange of Information for Tax Purposes (Global Forum) hat der Schweiz am 26. Juli 2016 nach abgeschlossener Länderüberprüfung die Gesamtnote «weitgehend konform» erteilt. Diese positive Bewertung spiegelt die Fortschritte der letzten Jahre bei der Umsetzung des internationalen Standards zum Informationsaustausch auf Anfrage wider.

Auch im Bereich automatischer Informationsaustausch (AIA) ist die Schweiz auf Kurs. Seit Januar 2017 wendet die Schweiz den AIA mit 38 Staaten an und wird im Herbst 2018 die ersten Daten mit allen Ländern der EU sowie zehn weiteren Staaten austauschen. Im nächsten Jahr sollen weitere 43 Länder hinzukommen. Aus Schweizer Sicht gilt es sicherzustellen, dass die Vertraulichkeit und der Datenschutz eingehalten werden, und dass auch die relevanten Konkurrenzfinanzplätze mit den genannten Ländern den AIA einführen.

Geldwäschereibekämpfung

2012 revidierte die Financial Action Task Force (FATF) ihre 40 Empfehlungen, was eine Revision des Schweizerischen Geldwäscherei-Dispositivs nötig machte. Am 1. Januar 2016 ist die revidierte Vereinbarung über die Standesregeln zur Sorgfaltspflicht der Banken VSB 16 in Kraft getreten. Mit der Revision dieses umfassenden Regelwerkes reagierte der Schweizer Finanzplatz auf die zunehmenden Bestrebungen zur Bekämpfung der Geldwäscherei auf internationaler Ebene und die damit einhergehenden regulatorischen Vorgaben und internationalen Standards. Die FATF anerkennt in ihrem Länderbericht vom Dezember 2016 die Qualität des schweizerischen Dispositivs zur Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung und attestiert dem Schweizer Finanzplatz ein überdurchschnittliches Ergebnis im Vergleich zu andern untersuchten Staaten. In Bezug auf das gesetzliche Dispositiv nannte die FATF auch Kritikpunkte. Die SBVg erwartet bei möglichen Anpassungen der Schweizer Gesetze und Verordnungen Augenmass und den Verzicht auf jeglichen „Swiss Finish“.

Weiterbildung

Einheitlicher Qualitätsstandard: Zertifizierung für Kundenberater

Kompetente Kundenberater bilden den Kern einer jeden erfolgreichen Vermögensverwaltung. Mit der Empfehlung an ihre Mitglieder, ihre Kundenberater im Bereich Wealth Management nach dem Standard „Certified Wealth Management Advisor CWMA“ der Swiss Association for Quality (SAQ) gemäss internationaler Norm ISO 17024 zu zertifizieren, sprach sich die SBVg im Dezember 2016 für einen gemeinsamen inhaltlichen Standard aus. Weitere Personenzertifizierungen für die Bereiche Privat- und Individualkundenberatung, Corporate Banking und KMU sowie Affluent-Kundenberater bilden die vielfältigen Profile von Kundenberatern weitestgehend ab und kommen ebenfalls für eine Empfehlung in Betracht. Auf der Grundlage eines gemeinsamen Zertifizierungsstandards lassen sich Qualität, Professionalität und Exzellenz der Kundenberater wirksam und nachhaltig fördern. Nicht zuletzt ermöglicht ein gemeinsamer Branchenstandard eine Ausbildungstransparenz innerhalb der Schweizer Finanzindustrie, der auch als internationales Gütesiegel wirken soll.