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IWF-Bericht: Globale Störungszonen
Erstellt am 11.10.2012 von Hess Martin, Leiter Wirtschaftspolitik
Der Stabilitätsbericht des IWF, früher ein unfokussierter intellektueller Ausfluss einer Hand voll Ökonomen, ist heute Pflichtlektüre für all jene, die sich mit Finanzmarktpolitik im weiteren Sinne befassen. Der Grundtenor des heute vorgestellten Berichts ist ein Augenöffner für all jene, die sich ob aller Massnahmenpakete und Lockerungsübungen der Zentralbanken auf dem richtigen Weg wähnten. Die Hauptmessage des Stabilitätsberichts ist klar: Die Risiken sind in den letzten sechs Monaten gestiegen, nicht gesunken.

Das grösste Risiko für die globale Finanzstabilität geht von einer weiteren Verschärfung der Krise in der Eurozone aus. Zwar scheint die akute Gefahr eines kurzfristigen Zusammenbruchs der Eurozone kurzfristig gebannt. Im Hinblick auf den Finanzsektor ist eine nachhaltige Trendumkehr jedoch nicht absehbar. Aus den peripheren Euroländern wurde in den letzten 12 Monaten Kapital im Umfang von rund 10 Prozent des BIP abgezogen. Zudem führt die Bilanzverkürzung der europäischen Banken zu einer Kreditverknappung und so zu weiteren Belastungen für die Wirtschaftsentwicklung.

Besonders wertvoll am aktuellen Bericht scheint mir der ungewöhnlich kritische Blick auf Japan und die USA, deren Risiken im grossen Schatten der Turbulenzen in Europa zu verschwinden drohen und auch in den ersten Pressekommentaren geflissentlich übergangen wurden. Wie in Europa ist auch in Japan und den USA das tiefe Zinsniveau das zentrale Element, das eine Eskalation trotz hohen Schuldbeständen vorerst verhindert. Als Folge davon bauen sich jedoch beträchtliche Zinsrisiken auf. In Japan reicht aufgrund der hohen Bestände an Staatsanleihen bei den Regionalbanken mittlerweile bereits eine Zinserhöhung um ein Prozent, um durch die entsprechenden Kursverluste deren hartes Eigenkapital um rund zwanzig Prozent schrumpfen zu lassen. Die Verquickung von Banken und Staatsschulden geht in die gleiche Richtung wie in Europa. In den USA haben die Massnahmen der Federal Reserve zu historisch tiefen Risikoprämien und dem Aufbau entsprechender Risiken geführt. Sorgen bereitet hier dem IWF vor allem der Optimismus der Märkte über den Zustand der USA trotz drohendem Ende der Steuererleichterungen (Fiscal Cliff), die eine Wachstumsverlangsamung zur Folge hätte. So wird im Markt beispielsweise mittelfristig von einem stärkeren Dollar ausgegangen, obwohl die expansive Politik der Fed das Gegenteil zur Folge haben sollte.

Die Schweiz nimmt wieder einmal die Rolle der Musterschülerin ein und leistet somit ihren Beitrag zur globalen Finanzstabilität. Die Banken befinden sich gemäss IWF lediglich bei der Leverage Ratio und der Ertragslage im roten Bereich. Die Situation bei der Leverage Ratio ist dahingehend zu relativieren als der IWF gleichzeitig der Schweiz auch die Maximalnote in Bezug auf Fortschritte bei der Verstärkung der Eigenmittelbasis bzw. bei der Implementierung der Basler Standards zugesteht. In Zeiten allgemeiner Verunsicherung ist die dokumentierte Stabilität ein starkes Zeichen im internationalen Standortwettbewerb. In Bezug auf die Verbesserung der Ertragslage unternehmen die Banken grosse Anstrengungen, die wie im aktuellen Fall von Julius Bär, bisweilen auch breit in der Öffentlichkeit dokumentiert sind. Zentral für die Stärkung der Ertragslage der Banken und somit des Wirtschaftsstandorts Schweiz ist, dass die Behörden auch in Zukunft ihren Beitrag dazu leisten. Wenn die Schweizer schon regulatorische Musterschüler sind und entsprechende Kosten tragen müssen, ist es nun umso wichtiger, dass durch administrative Vereinfachungen die Kostensteigerungen eingedämmt werden können.

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Hess Martin
Leiter Wirtschaftspolitik
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