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Die SNB als Währungsspekulantin?!
Erstellt am 27.09.2012 von Vannoni Raphael, Leiter Economic Analysis
Wenn es nach Aussagen der Ratingagentur Standard & Poor‘s geht, stimmt diese Aussage grundsätzlich. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht geht S&P davon aus, dass durch Anleihenkäufe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Zinsen der Euro-Kernländer sinken und die Ungleichgewichte in der Eurozone verstärkt würden. S&P schätzt, dass die SNB in den ersten sieben Monaten von 2012 Staatsanleihen der Euro-Kernländer im Wert von EUR 80 Mrd. gekauft hat.

Ich muss zugeben, dass mich die Meldung von S&P doch sehr irritiert hat. Strukturelle Probleme der Eurozone auf die Geldpolitik der SNB abzuwälzen scheint mir doch etwas gar zu einfach – wenn nicht an den Haaren herbeigezogen zu sein.

Hier ein paar Fakten: Der gesamte Schuldenstand der Eurozone betrug im ersten Quartal 2012 EUR 8‘328.6 Mrd. Davon sind EUR 6‘607.7 Mrd. ausstehenden Wertpapieren zuzuordnen. Infolgedessen entsprächen die von S&P genannten EUR 80 Mrd. 1.2% der ausstehenden Wertschriften der Eurozone. Gemessen an den Gesamtschulden entspräche dies gar nur 0.96%. Wie mit einem derart geringen Anteil die Renditen tatsächlich in diesem Ausmass beeinflusst werden sollen entzieht sich meiner Kenntnis. Dass ein gewisser Einfluss auf das Zinsniveau entstehen kann, würde ich allerdings nicht bestreiten.

Ergänzend kommt hinzu, dass sich Schätzungen zu den Deviseninterventionen der SNB stark unterscheiden. Die SNB weist diese nicht explizit aus. Gemäss einer Meldung der SNB entbehre die Schätzung von S&P aber jeder Grundlage.

Gemäss Statistiken der SNB sind die Devisenreserven von Januar bis Juli 2012 um insgesamt CHF 156.8 Mrd. (ca. EUR 130 Mrd.) gestiegen. Die Zunahme aller Wertschriften in Fremdwährungen (u.a. USD, EUR, JPY und GBP) betrug 88.4 Mrd. (ca. EUR 73.4 Mrd.). Dass somit die gesamte Zunahme auf Wertschriften in Euro und zusätzlich noch in Staatsanleihen der Euro-Kernländer floss, erachte ich als äusserst unwahrscheinlich. Zudem hat die SNB nicht nur die Möglichkeit, in Staatsanleihen, sondern auch in weitere Wertschriften anzulegen. Per Ende 2011 bestanden die Devisenreserven der SNB zu 60% aus Anlagen in Euro, zu 22% aus US-Dollar und zu 8% aus japanischen Yen. 85% wurden in Staatsanleihen gehalten und 10% in Aktien. 86% der Devisenreserven wiesen ein AAA-Rating auf. Ginge man von dieser Verteilung auch für Ende Juli 2012 aus, entspräche dies einer geschätzten Zunahme von knapp EUR 37 Mrd. für sämtliche Staatsanleihen der Eurozone.

In untenstehender Grafik sind die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen der jeweiligen Länder dargestellt. Die divergierende Entwicklung zwischen den Kern- und den Peripherie-Staaten der Eurozone kann weit vor der Festsetzung der EUR/CHF-Kursuntergrenze durch die SNB festgestellt werden. Mit Beginn und Ausbruch der Finanzkrise wurde dem Risiko wieder mehr Rechnung getragen, und so stiegen die Renditen diverser kritischer Staatsanleihen wieder an. Dies war die notwendige gegenläufige Entwicklung zur Situation bei Einführung der Gemeinschaftswährung als sämtliche Renditen auf dem selben Niveau lagen.


Quelle: Thomson Datastream

Schlussendlich wäre es mir lieber, wenn die Politik die Staatsschuldenkrise in der Eurozone in den Griff bekommen würde und damit die SNB gar keine Deviseninterventionen mehr tätigen müsste.

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Vannoni Raphael
Leiter Economic Analysis



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Rifton Tough
18.10.2012
@ Marc Meyer: Falsch - Auf der Passivseite erhöhen sich bei der SNB, wenn sie Fremdwährungen, resp. Assets in Euro, $ oder £ kauft, die Giroguthaben bei den Banken, d.h. die SNB stellt den Banken neue Einlagen in CHF zur Verfügung. Die Banken schwimmen dadurch im Geld. Das Risiko besteht, dass diese oder ihre Kunden damit neue Bubbles produzieren...darum sind die Börsen z.Z. am steigen.
Meyer Dr. Marc
30.9.2012
Herr Vannoni geht nur auf die Investitionsseite der SNB ein. Viel interessanter hingegen wäre die Verschuldungsseite. Die SNB behauptet doch immer, sie finanziere ihre Euros mit "selbst geschaffenem Geld". Nun sehen wir, dass das nicht stimmt - die SNB finanziert ihre Euros mit Kapital aus den Krisenländern Europas. Unsere SNB hat also Schulden gemacht - Staatsschulden!